Nachbarschaft

Veröffentlicht am 17.09.2020 von Christian Hönicke

Genug von Maskenverweigerern hat die Bäckerei „100 Brote“ im Bötzowviertel. Nach der Begegnung mit einem besonders aggressiven Exemplar postete Inhaber Karsten Greve am Mittwoch eine Nachricht auf Facebook: „Herrschaftszeiten, Leute, es ist ganz einfach: KEINE MASKE – KEIN KAFFEE, KEIN BROT, KEIN GAR NIX!“

Er erlebe es jeden Tag, dass Leute ohne Maske hereinkommen, sagt Greve. „Dann kommen tausend Entschuldigungen, zum Beispiel: Wenn ich eine Maske aufsetzen muss, ersticke ich. Oder: Es gibt gar kein Corona. Oder: Es gibt doch keine gesetzliche Maskenpflicht. Oder: Ich habe meine Maske vergessen.“ Letzteres könne ja mal passieren, „aber in der Häufigkeit? Seit einem halben Jahr haben wir die Scheiße, und da kann man sich doch inzwischen dran gewöhnt haben“.

Die beste Ausrede sei aber immer: „Ich habe ein Attest. Wenn wir danach fragen, ist es meist selbstgeschrieben“, berichtet Greve. „Und wenn gar nichts mehr geht, kommen krude Theorien. Wir haben aber keine Lust, Verschwörungstheorien zu diskutieren.“ Mitunter werde es sogar beleidigend, erzählt Greve, dann werde man als „Arschloch“ tituliert. „Von Kollegen weiß ich, dass Mitarbeiter schon als ‚Merkelschlampen‘ beschimpft wurden.“ [Der Text stammt aus dem aktuellen Pankow-Newsletter. Den können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Am Mittwoch platzte Greve dann der Kragen. Ein Kunde habe ihm vorgeworfen, ihn mit der Maskenpflicht zu diskriminieren. „Das war der Anlass für den Facebook-Post“, sagt Greve. „Ich habe ihm gesagt: Dann zeig mich doch bitte an.“

Erstaunt ist Greve darüber, wer da so aggressiv gegen die Maskenpflicht opponiert. „Das ist nicht bildungsfern, was da vor uns steht“, sagt er. Gerade in Prenzlauer Berg, „wo Mütter sonst ihre Kinder wie einen Schatz bewachen, würde man so etwas nicht erwarten. Aber bei manchen Leuten denkt man: Es geht euch einfach zu gut.“

Allerdings sind laut Greve nur fünf Prozent der Kunden derart renitent. „Von den restlichen 95 Prozent kriegen wir Zuspruch, der Facebook-Post hat die meisten Likes bekommen.“ Das sei eine klare Botschaft gewesen, um die vernünftige Mehrheit zu schützen: „Selbst wenn du Stammgast bisher warst, dann war’s das mit uns. Da brauchen wir nicht diskutieren.“ /Foto: promo – Text: Christian Hönicke

+++ Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Pankow entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de

Mehr Themen aus dem Pankow-Newsletter:

  • Neue Corona-Fälle in Schulen, Kitas und Geflüchtetenunterkünften
  • Parks zu Pisten: Senat will Grünanlagen für Radschnellwege verkleinern
  • Keine Lust auf Verschwörungstheorien: Bäckerei legt sich mit aggressiven Maskenverweigerern an
  • „Ich bin eine Parksau“: Anwohner in Prenzlauer Berg prangern Falschparker öffentlich an
  • 25 Millionen Euro fehlen: Wie geht es weiter mit der Heidekrautbahn?
  • 300 Gäste: Polizei löst Tanzparty in Kulturbrauerei auf
  • „Unsachliche Vorwürfe“: Bezirksamt verteidigt nach Wohnbau-Stopp neue Gewerbegebiet-Pläne für Wilhelmsruh
  • Planänderung: Parkplätze für neues Multifunktionsbad in der Wolfshagener Straße gestrichen
  • Gegen „Spekulationsblase“: Bezirk zieht Vorkaufsrecht in Weißensee
  • Mauerpark: Ordnungsamt verwirft Idee für Alkohol-Lizenzen

Den Pankow-Newsletter vom Tagesspiegel gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de +++

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de