Nachbarschaft

Veröffentlicht am 08.04.2021 von Masha Slawinski

Christian Badel, Autor und Grafiker, seit den 90er Jahren Pankower

Badels sogenanntes „Büro“ liegt in der Prenzlauer Promenade, in einem großen Atelierhaus. Sein Ateliername lautet „Kikifax“, was er mit Unsinn oder Nonsens übersetzt. Außerdem soll der Name die Abkürzung für die Wörter „Kinder“, „Kichern“ und „Faxen“ sein. Von dort aus aus zeichnet er Titelbilder, Comics, Bildgeschichten, Bilderrätsel, Ausmalbilder für Kinder und Seitenkonzepte für Kinderzeitungen. Aber viele seiner Werke entstehen auch an der frischen Luft. Seit mehr als zehn Jahren zeichnet er zum Beispiel die Gebäude des Florakiez.

Warum haben Sie angefangen den Florakiez zu zeichnen? Ich wohne selbst in der Florastraße und habe das immer gemacht, wenn ich keinen Auftrag und deswegen Zeit hatte. Beim Zeichnen wurde ich dann irgendwann vom Florakiez-Blog angesprochen, der von zugezogenen Journalisten gegründet wurde. Sie haben mich gefragt, ob ich regelmäßig ein Haus malen könnte und so ist die Reihe entstanden, von der immer wieder Bilder auf dem Kiezblog erscheinen. Beim Zeichnen treffe ich oft auch Passant*innen, teils Pankower Originale, wie den Dudelsackspieler Schottenschulle, über die ich dann zu meinen Zeichnungen Kurzporträts schreibe.

Sie haben einen Schwerpunkt auf Zeichnungen für Kinder gesetzt. Warum? Das kam durch meine eigenen Kinder. Als die klein waren, habe ich mich viel dafür interessiert, was sie angucken und lesen. Aus dieser Gedankenwelt konnte ich einiges mit einbringen und dadurch habe ich angefangen mehr in die Richtung zu zeichnen. Aber ich male nicht ausschließlich für Kinder. Bevor durch die Pandemie viele Aufträge weggefallen sind, habe ich beispielsweise auch als Livezeichner für Events in Clubs, bei Hochzeiten oder auf Kongressen gearbeitet.

Wie hat Corona Ihren Arbeitsalltag verändert? Vor allem finanziell: Die Illustrationen laufen weiter, aber Aufträge, wie die für Clubs, fallen weg. Normalerweise zeichne ich auch draußen und lade spontan zum Mitzeichnen ein, wenn ich mich mal einsam im Atelier fühle. Dieses Jahr habe ich, auch witterungsbedingt, erst drei Mal draußen gezeichnet. Dabei ist mir aufgefallen, dass viele Leute gerade nicht so gehetzt sind, wahrscheinlich weil sie mehr Zeit haben. Sie sind viel aufmerksamer und interessierter an dem was ich mache. Manchmal so interessiert, dass es zu viel ist und mich vom Zeichnen ablenkt. Dann sage ich aber auch, es passt gerade nicht. Grundsätzlich freue ich mich sehr, wenn Menschen mich ansprechen. Es ist eine Möglichkeit für direktes Feedback, was ich bei meinen Illustrationen, bis auf seltene Leserbriefe, nicht wirklich bekomme.

Und hat sich die Pandemie auch auf Ihre Kreativität ausgewirkt? In ein paar meiner Zeichnungen greife ich das Thema Corona auf. Zum Beispiel in Zeichnungen, die ich in der U-Bahn gemacht habe. Aber grundsätzlich hat die Situation nicht viel an meiner Kreativität verändert. Klar gibt es Situationen, so wie vor Ostern, wo man down ist, weil man die Hoffnung hat, dass es Lockerungen gibt und es dann doch nicht wieder losgeht. Aber als Künstler bin ich es gewohnt, gute und schlechte Stimmungslagen zu visualisieren.

Für viele ist Zeichnen ein Hobby – für Sie ist das der Beruf. Was machen Sie, wenn Sie sich mal nicht so inspiriert fühlen, aber eine Deadline haben? Man muss sich da ein bisschen austricksen, das habe ich aus meiner Berufserfahrung gelernt. Manchmal gehe ich raus und zeichne etwas ganz was anderes, um so auf neue Gedanken zu kommen. Wenn man nur dasitzt und überlegt, wie man etwas angeht, kommt man nicht weiter. Aber manchmal mache ich auch etwas völlig anderes, gehe joggen oder spazieren. Im November habe ich mir dafür extra einen Wecker auf 12.30 Uhr gestellt. Wenn ich bis dahin noch nicht draußen war, hat mir der Wecker gesagt, jetzt raus. Das hat mir und meiner Kreativität sehr gutgetan. 

  • Christian Badels Illustrationen finden Sie auch auf seiner Webseite, bei Facebook und Instagram. Die Bilderreihe zum Florakiez finden Sie hier.
  • Eine frühlingshafte Zeichnung Badels sehen Sie weiter unten in der Kiezkamera. Und im Tipp empfehle ich ein Video, bei dem Sie von Badel zeichnen lernen können.

Foto: Ralph Bergel

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de