Nachbarschaft
Veröffentlicht am 30.09.2021 von Christian Hönicke

Cordelia Koch könnte bald die erste grüne Bürgermeisterin Pankows werden. Das Rennen ums Rathaus hat sie – zumindest nach derzeitigem Auszählungsstand – deutlich gewonnen. Die Verwaltungsjuristin will als Bürgermeisterin unter anderem das berüchtigte Berliner Behörden-Pingpong beenden.
Durch eine Verwaltungskultur, „in der ausprobiert werden kann, Ideen nicht ausgebremst werden und Fehler als Informationsquelle für Verbesserungen dienen“. Um „die Lebensqualität der Pankowerinnen und Pankower zu erhalten“, will sie Grünflächen im Bezirk erweitern, indem beim Wohnungsbau in die Höhe statt in die Breite gebaut wird.
Koch wurde 1972 in Weilburg an der Lahn (Hessen) geboren. 2005 zog sie nach Prenzlauer Berg und lebte dort neun Jahre im Bötzowviertel. Danach zog sie nach Wedding in die Nähe der Wollankstraße und später an den Stadtrand, in das „Pankower Pferdedorf“, wie sie es nennt: nach Blankenfelde. „Die sehr unterschiedlichen Problemlagen im Bezirk habe ich hautnah als Anwohnerin erlebt“, sagt Koch.
Von 2011 bis 2016 war Koch Vorsitzende des Grünen-Kreisverbandes Pankow. Seit 2016 saß sie in der BVV, 2018 übernahm sie den Co-Vorsitz ihrer BVV-Fraktion.
Bei Konflikten setzt die frühere Friedens- und Konfliktforscherin nach eigenen Angaben „auf Ausgleich“. Ihre Promotion schrieb sie unter anderem am Orientinstitut in Beirut über die Bedeutung der libanesischen Verfassung für den Bürgerkrieg. Dass sie allerdings keineswegs konfliktscheu ist, zeigte sie in der abgelaufenen Wahlperiode in diversen hitzigen BVV-Debatten.
Ob Koch wirklich ins Rathaus einzieht, werden die Mehrheitsverhältnisse der neuen BVV entscheiden. Die konstituiert sich voraussichtlich am 4. November (siehe Kiezgespräch). Pankows bisheriger Bürgermeister Sören Benn (Linke) hat sich schon einmal vorsorglich verabschiedet. Auf Twitter schrieb er: „Allen, die mich begleitet & getragen haben bis hierhin in den letzten 5 Jahren, mit mir zusammengearbeitet, mich kritisiert & angefeuert haben, mich bereichert & klüger gemacht haben, mit mir gehofft & gebangt, geworben & gekämpft haben. Seid bedankt. Bald anders & neu weiter.“ – Foto: promo
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