Intro

von Gerd Appenzeller

Veröffentlicht am 06.12.2017

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Die Grünen) hat ihr Tourismuskonzept vorgestellt. Was niemand überraschen konnte: Auf der einen Seite jubeln alle über die steigenden Besucherzahlen, auf der anderen wird es den Berlinerinnen und Berlinern, die in der Innenstadt wohnen, langsam zu viel mit den Touristen. Deshalb will Ramona Pop den Gästen die Randbezirke schmackhaft machen, von Spandau war die Rede. Klar, die Altstadt hat ihre Reize, und die Zitadelle ihren ganz eigenen Zauber. Als junger Mann habe ich da in der Otto-Bartning-Schule für das Baugewerbe Mauern und Zimmern gelernt… Aber warum empfehlen wir eigentlich keine Dörfer-Reise nach Reinickendorf? Wir haben sechs uralte Ortskerne zu bieten, mit hunderte von Jahren alten Dorfkirchen mitten im erhaltenen Dorfanger: Wittenau, eine Kirche aus Feldsteinmauerwerk, errichtet zwischen 1482 und 1489. Die Kirchenglocke stammt aus dem Jahr 1484. Der Ort wurde 1230 gegründet, Wittenau alleine ist eine Besichtigungstour wert. Und dann noch Lübars mit der Dorfkirche im preußisch-klassizistischen Stil von 1791, Alt-Reinickendorf mit der ganz aus Feldsteinen errichteten Kirche aus dem 15. Jahrhundert, die Glocke trägt die Jahreszahl 1491. Wer kennt wirklich Heiligensee, 1308 als Kirchendorf erwähnt, die Kirche aus dem Jahr 1761 steht auf viel älteren Grundmauern. Hermsdorf schließlich, 1830 wurde dessen Dorfkirche ganz klassizistisch errichtet, der Ort Hermannstorp, das Dorf des Hermann, ist 1349 erstmals in den Urkunden vermerkt. Und am Ende der Tour die neo-romanische Ortskirche von Alt-Tegel, das Dorf wurde 1240 gegründet.

Vielleicht ist die Dörfertour ja mal ein Projekt, dessen sich der Bezirk und das Museum annehmen können: Rundgang um den Dorfanger, ein bisschen Geschichte über die ihn einrahmenden Häuser, Besichtigung der  Kirche mit Erläuterungen der Denkmalschützer oder eines Ortschronisten und zum Abschluss ein Kaffee oder Tee im Gasthaus am Platz…das lohnt sich nicht nur für Touristen…

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 22 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de