Intro

von Gerd Appenzeller

Veröffentlicht am 21.03.2018

Der Brandanschlag auf die Reinickendorfer Koca-Sinan-Moschee ist allgemein als Terroranschlag gewertet worden, der auch gegen das friedliche Zusammenleben der verschiedenen  Religionen und Konfessionen im multi-ethnischen Berlin gerichtet war. Einige islamische Verbände haben sich danach über fehlende Solidarität der deutschen Behörden und Institutionen beklagt. In Reinickendorf selbst haben sich Bezirkspolitiker aller – wirklich aller – Parteien (CDU, SPD, Grüne, Linke, FDP, AfD) hingegen klar positioniert. Der Vorsteher der BVV, Hinrich Lühmann, äußerte sich in der Sitzung der Bezirksverordneten dazu so:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste unserer Bezirksverordnetenversammlung, liebe Zuschauer des Livestreams, meine Damen und Herren!

Uns hat ein Terroranschlag getroffen. In der Nacht zum Sonntag wurde ein Brandanschlag auf die Reinickendorfer Koca-Sinan-Moschee verübt. Zerstört wurde die Inneneinrichtung der Moschee, zerstört wurden die Gebetsbücher. Welch ein Glück, dass Menschen nicht zu Schaden kamen!

Welche Motive dieser Anschlag hatte, das tut nichts zur Sache. Denn kein Motiv rechtfertigt eine solche Gewalttat.

Hass und Gewalt zerstören den kostbaren Grundkonsens unserer Gesellschaft, der es ermöglicht, Konflikte und Streit im Einzelnen so auszutragen, dass immer das Ganze erhalten bleibt. Dies ist noch vor und über dem Grundgesetz ein Grundwissen, eine Grundübereinkunft unseres Gemeinwesens. Schwindet dieser Konsens, werden Gewalt und Faustrecht Alltag, wird auch das Gemeinwesen schwinden.

Den Opfern des Anschlags auf die Moschee gilt unsere uneingeschränkte Solidarität. Denn er berührt uns alle; denn er ist ein Angriff auf uns alle, auf Menschen, die in unserer Mitte leben und die zu uns gehören, die unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger sind.

Dies will auch die Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung mit der folgenden Resolution bekunden:

In der Nacht zum 11. März wurde ein Brandanschlag auf die Koca-Sinan-Moschee in Reinickendorf verübt. Wir sind entsetzt und schockiert über diese feige Tat, die die Bewohnerinnen und Bewohner des Gebäudes in Lebensgefahr gebracht und die Räumlichkeiten zerstört hat. Die Polizei geht von einer politisch motivierten Tat aus und wir hoffen, dass die Täter schnell ausfindig gemacht und bestraft werden können. Wer Gotteshäuser anzündet, ist ein Feind der offenen Gesellschaft und des friedlichen Zusammenlebens. Wir stehen weiterhin ein für die durch das Grundgesetz garantierte Glaubens- und Religionsfreiheit. Wir begrüßen die Initiative des Bezirksamtes Reinickendorf,, der Gemeinde schnell und unbürokratisch Möglichkeiten zur Fortführung der regelmäßigen Gebete in der Nachbarschaft anzubieten.“

Ich bitte um Ihre Zustimmung.

Die erfolgte einstimmig und ohne Enthaltungen.

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 24 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de

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