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von Gerd Appenzeller

Veröffentlicht am 15.08.2018

Gute Nachrichten für alle Autofahrerinnen und Autofahrer im Norden Berlins und in den an Reinickendorf angrenzenden Brandenburger Gemeinden: Die Fahrbahnsanierung der Rudolf-Wissell-Brücke (RWB) wird noch etwas früher abgeschlossen als prognostiziert. Schon am heutigen Mittwoch, dem 15. August, stehen den Verkehrsteilnehmern wieder alle sechs Fahrstreifen zur Verfügung. Die DEGES (Deutsche Einheit Fahrstraßenbau- und Planungs GmbH) betreut die Baustelle im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Zuletzt war die DEGES davon ausgegangen, Berlins längste Straßenverkehrsbrücke am 17. August und damit eine Woche früher als geplant wieder freigeben zu können. „Die Zusammenarbeit aller Gewerke hat sehr gut geklappt. Obwohl wir insgesamt mehr Schäden vorgefunden haben als auf der Nordfahrbahn im vergangenen Jahr, sind wir sehr gut vorangekommen. Daher können wir die Baustelle auf der Rudolf-Wissell-Brücke schon vor dem Ferienende abbauen. Der Rückreiseverkehr kann kommen“, sagt DEGES-Projektleiter Wolfgang Pilz.

Bevor die Brücke wieder auf allen Spuren freigegeben werden konnte, musste die während der Bauzeit eingerichtete Verkehrsführung zurückgebaut werden. Dazu wurde die A 100 in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch in Fahrtrichtung Nord zwischen der Anschlussstelle (AS) Messedamm und dem Autobahndreieck (AD) Charlottenburg sowie in südlicher Richtung zwischen AS Jakob-Kaiser-Platz und Spandauer Damm von 20 Uhr bis 5 Uhr voll gesperrt.

Seit dem Start der Sommerbaustelle am 9. Juli 2018 war die A 100 zwischen Spandauer Damm und Autobahndreieck Charlottenburg auf jeweils zwei Fahrspuren eingeengt. „Der trockene Sommer 2018 hat uns einerseits bei der witterungssensiblen Anwendung des innovativen Bau-Verfahrens geholfen. Andererseits haben die teilweise enorm hohen Temperaturen die Arbeiter vor erhebliche Herausforderungen gestellt“, erklärt Wolfgang Pilz. „Mit der Fahrbahnsanierung soll die Verkehrssicherheit der Rudolf-Wissell-Brücke bis zu einem Ersatzneubau gesichert werden“, sagt Lutz Adam, Leiter der Tiefbauabteilung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. In der Vergangenheit hatten plötzlich auftretende Fahrbahnschäden immer wieder für umfangreiche kurzfristige Verkehrseinschränkungen gesorgt. Die Baukosten für die Fahrbahnsanierung in den Bauphasen 2017 und 2018 in Höhe von rund sieben Millionen Euro werden vom Bund aufgewendet. Die mit der Durchführung der Fahrbahnsanierung beauftragte Arbeitsgemeinschaft erhält aufgrund der frühzeitigen Fertigstellung einen Bonus.

Hier die schlechte Nachricht für Pendler: Der Senat von Berlin hat an einem geradezu exemplarischen Beispiel wieder einmal bewiesen, dass er sich in seinen Vorstellungen vom Straßenverkehr voll auf den Innenstadtraum konzentriert, und entweder nicht wissen will, wie die Situation in den Randbezirken ist, oder seine vorhandenen Kenntnisse bewusst negiert. Anders lässt sich eine Auskunft der Senatsverwaltung für Finanzen auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Danny Freymark zur Situation der Pendler nicht erklären. Das Land hat in den zurückliegenden fünf Jahren keinerlei neue Park-and-Ride-Parkplätze angelegt, vorhandene werden nicht ausgebaut und Planungen für zusätzliche Parkplätze an den S-Bahnhöfen gibt es auch nicht. Auch in Brandenburg sind keine neuen Parkplätze an S-Bahnhöfen geplant, sagte Elke Krokowski, die Sprecherin des VBB Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, meinem Kollegen Reinhart Bünger. Seinen Bericht unter der Überschrift „Berlin bremst die Pendler aus“, erschienen am Tagesspiegel am 11. August, können Sie hier noch einmal nachlesen: tagesspiegel.de

Es kommt aber noch schlimmer: Die Senatsverwaltung für Finanzen hat die Bezirksbürgermeister angeschrieben und gebeten, vorhandene Parkplätze zu melden, damit sie mit Wohnungen bebaut werden können. Dazu muss man wissen, dass sich die Zahl der Pendler in den letzten 20 Jahren von 160.000 fast verdoppelt hat, heute sind jeden Tag 310.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer zwischen Berlin und dem Brandenburger Umland unterwegs. Statt dass sich die Länder Berlin und Brandenburg um einen besseren Zuschnitt der Tarifzonen (Ausweitung von AB bis nach Hennigsdorf, Hohen Neuendorf und Birkenwerder) kümmern und den Bau zweiter Gleise auf diesen Strecken überall da, wo bislang wegen eingleisiger Zugführung kein 10-Minuten-Takt möglich ist, behandeln sie die Pendler wie lästige Zeitgenossen, denen man die Wege nicht erleichtern, sondern erschweren will. Vielleicht können die angesprochenen Senatsverwaltungen einmal bei den Stadtplanern nachlesen, warum vor Jahrzehnten Park-and-Ride-Parkplätze eingeführt wurden: Um Berufstätige zu animieren, mit ihrem Auto nur bis zum nächsten Bahnhof zu fahren, und dort den Wagen stehen zu lassen.

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 24 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de

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