Intro

von Gerd Appenzeller

Veröffentlicht am 05.09.2018

die Senatsumweltverwaltung hat zum Wochenbeginn die Ausschreibung für das Ausbaggern des Hermsdorfer Sees online gestellt. Im Detail ist vorgesehen, dass in den kommenden Jahren mit Saugbaggern der See entschlammt und eine Wassertiefe zwischen zwei und vier Metern wieder hergestellt werden soll. Die Behörden gehen davon aus, dass jene Schichten entfernt werden müssen, die sich seit der letzten Ausbaggerung 1953 gebildet haben. Allerdings sollen Bohrungen bis zu einer Tiefe von 5,50 Meter unter der Wasseroberfläche erkunden, ob sich dann gewachsener Boden anschließt. Auch soll es eine Untersuchung auf Kampfmittelrückstände geben, weil offenbar unklar ist, ob bei Kriegsende Waffen und Munition im See versenkt wurden. Die Behörden gehen davon aus, dass das Baggergut nur mit Schwerlastwagen abtransportiert werden kann, deshalb müssen die Zufahrten zum See entsprechend befestigt werden.

Laut Unterlagen der Senatsumweltverwaltung ist die Entstehungsgeschichte des Sees nicht vollständig bekannt, allerdings sei der See auf einer geologischen Karte für den Zeitraum von 1874 bis 1937 deutlich erkennbar (Anmerkung: Im Museum am Hermsdorfer Dorfanger befindet sich eine Karte, die den Umfang des Sees schon im ausgehenden Mittelalter zeigt.) Dieses Thema wird uns mit Sicherheit in den kommenden Jahren immer wieder beschäftigen. Es ist auf jeden Fall eine gute Nachricht für alle Anlieger des Fließ.

Vor einem Jahr stand das Fließtal nach den Starkregenfällen unter Wasser, und Anwohner forderten, das Wehr nahe der A 111 stärker zu öffnen, damit das Wasser schneller abfließen kann. In diesem Jahr ist das Fließ nach einer langen Trockenphase zum „Steh“ geworden. In der OWA, der Phosphateliminierungsanlage in Tegel, wurde wochenlang überhaupt kein Fließwasser mehr gereinigt, weil der Wasserstand zu niedrig war. Die Vorgabe lautet, den Höhenstand bei 32,60 Meter über Normalnull (üNN, bezogen auf den Meeresspiegel) zu halten. Bei dieser Höhe hat die Fischschleuse noch genug Wasser. Und was ist mit dem grünen Belag auf dem Fließ, der Entengrütze? Siehe weiter unten mehr dazu.

Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider hat die Pläne ihres Bundeslandes für den Ausbau des Regionalverkehrs vorgestellt. Das Gute an dieser Nachricht ist: Es gibt Pläne. Das Schlechte: Sie sollen bis 2030 umgesetzt werden. Das heißt, dass der unhaltbare Zustand für Pendler, etwa auf den Strecken von Hennigsdorf Richtung Gesundbrunnen oder von Oranienburg über Birkenwerder und Frohnau bis Gesundbrunnen, noch mehr als zehn Jahre anhalten wird. Immerhin ist zwischen Hennigsdorf und Velten eine neue S-Bahnstrecke geplant, und von Frohnau nach Oranienburg soll es nach 2030 durchgehend zweigleisig gehen. In Hennigsdorf-Nord ist ein neuer S-Bahnhof geplant, zwischen Hennigsdorf und Gesundbrunnen könnte es eine neue Regionalbahnverbindung geben. Den Bericht meines Kollegen Marco Zschiek können Sie hier lesen: tagesspiegel.de

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 24 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de

Anzeige