Intro

von Gerd Appenzeller

Veröffentlicht am 16.01.2019

es ist eine traurige Nachricht, aber sie endet mit einer tröstlichen Botschaft. Alleine im Bezirk Reinickendorf gibt es jedes Jahr im Durchschnitt 220 Todesfälle von Menschen, die, wie es im Behördendeutsch heißt, „ordnungsbehördlich bestattet“ werden. Dabei handelt es sich um verstorbene Mitbürgerinnen und Mitbürger, die meistens ohne Angehörige oder Freunde waren, die für eine Bestattung hätten sorgen können. Oft war dann auch kein Geld da für eine Beisetzung und eine Trauerfeier. In all diesen Fällen sorgt das Bezirksamt – zuständig ist das Gesundheitsressort – für eine Urnenbeisetzung. Sie findet auf dem alten Domfriedhof St. Hedwig im Bezirk Mitte statt, weil dort die Gebühren am niedrigsten sind. Anonym ist diese letzte Ruhestätte nicht, auf einer kleinen Tafel sind der Name und die Geburts- und Sterbedaten vermerkt. Aber eine Trauerfeier konnte es in all diesen Fällen nie gegeben.

Im Checkpoint-Newsletter von Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt war in der Vergangenheit mehrfach auf den traurigen Umstand verwiesen worden, dass das Land Berlin es nicht schafft, für diese Menschen nachträglich eine würdige Gedenkveranstaltung zu organisieren. Nicht zuletzt datenschutzrechtliche Bedenken standen dem entgegen – wenn man ein Hindernis sucht, etwas zu tun, wird man es finden, zeigt die Erfahrung…

In Reinickendorf haben sich deshalb im vergangenen Jahr mehrere Bürger zusammen gefunden, um einmal jährlich eine solche Feier zu organisieren. Zu dieser Gruppe gehörten Uwe Brockhausen, der Bezirksstadtrat für Gesundheit, Patrick Larscheid, der Leiter des Gesundheitsamtes und Pfarrer Andreas Hertel von der Evangelischen Apostel-Paulus-Kirche in der Hermsdorfer Wachsmuthstraße. Die erste gemeinsame Trauerfeier – sie findet nicht in einem religiösen Rahmen statt – wird nun am kommenden Sonntag, 20. Januar, um 17 Uhr in der Apostel-Paulus-Kirche veranstaltet. Diese Feier ist offen für Angehörige, Freunde und alle anteilnehmenden Bürgerinnen und Bürger. Eine solche Feier soll künftig jedes Jahr am dritten Sonntag im Januar stattfinden.

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 24 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-g.appenzeller@tagesspiegel.de

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