Intro

von Gerd Appenzeller

Veröffentlicht am 08.07.2020

mehrere Wochen lang tobten die Proteste im Hermsdorfer Waldseeviertel zwischen zwei Lagern der Anwohner: Die einen wollten endlich Ruhe vor dem morgendlichen und abendlichen Pendlerverkehr aus dem Brandenburger Umland haben und verlangten eine Straßensperrung für den motorisierten Verkehr. Die anderen wollten genau das verhindern und warnten vor einer neuen Mauer zwischen Hermsdorf und Glienicke. Dann entschied sich die BVV für so genannte Modalfilter, also den Autoverkehr verhindernde Sperrungen. So weit die Beschlusslage.

Aber wie geht es nun weiter?, fragten Anlieger. Die Frage stellte ich Katrin Schultze-Berndt (CDU), für Bauen zuständige Stadträtin. Hier ihre Antwort:

„Voraussetzung für die Sperrung von Elsestraße und Schildower Straße mit Modalfiltern ist eine Untersuchung, wie sich eine Sperrung auf die Straßen im Umfeld auswirken wird. Dazu wurde seitens des Bezirksamtes eine Untersuchung beauftragt, in deren Rahmen der Verkehr gezählt wird. Angesichts der Corona-Pandemie wurde die Zählung aufgeschoben bis zu einem Zeitpunkt, an dem sich der Verkehr, der in Folge der Pandemie stark reduziert war, wieder im gewohnten Rahmen darstellt. Aktuell gehen wir davon aus, dass sich die Situation nach den Sommerferien mit Schulbeginn und Ende des Homeoffice normalisiert. Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse wird das weitere Vorgehen abgestimmt“.

Anderes Thema: Tempo 30 in der Frohnauer Straße als Dauerlösung – das hatte der CDU-Abgeordnete Jürn Jakob Schultze-Berndt kritisiert. Ich hatte im Newsletter darüber berichtet, und Sie, die Leserinnen und Leser, gebeten, mir zu schreiben, wie Sie das sehen: Ist Tempo 30 hier angemessen oder nicht?

Die vielen Reaktionen zeigen, dass das Thema Frohnauer und Hermsdorfer heftig bewegt, denn diese Straße führt ja aus der Mitte Frohnaus bis zum Hermsdorfer Damm, ist also am Morgen und am Abend eine der zentralen Durchgangsstraßen. Weiter unten bei „Namen & Neues“ lesen Sie eine gekürzte, aber dennoch umfassende Zusammenfassung einer kontroversen Leserdebatte.

Und nochmal Frohnau. Die ersten Meldungen klangen schockierend: Während in Tegel und Hermsdorf (nicht zuletzt als Reaktionen auf die Thematisierung in diesem Newsletter) neue Wochenmärkte eröffnet haben, und dies unter großem Erfolg, scheint der in Frohnau plötzlich gefährdet. Dem bisherigen Betreiber auf dem bahneigenen Gelände wurde zum Jahresende gekündigt. Was plant die Bahn? Wurde die zentrale Immobilie an einen Entwickler veräußert? Um dieses Gelände geht es.

Recherchen des Newsletter-Redaktion haben ergeben: Nein, hier wird nicht gebaut, das Gelände bleibt im Besitz der Bahn: Aber: Es gab wohl auch von Kunden Kritik an der Zusammensetzung des Marktes. Mehr Stände seien gewünscht, und auch die Bahn selbst strebte eine Verbesserung des Angebotes an. Es sollte, so höre ich aus dem Umfeld, mehr „Frohnau-like“ werden. Weiter unten lesen Sie, was das bedeutet.

Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 25 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an gerd.appenzeller@tagesspiegel.de