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von Gerd Appenzeller

Veröffentlicht am 29.07.2020

Diese Nachricht wird tausende Berlinerinnen und Berlinern schockieren. Dem Schullandheim Heiligensee droht in zwei Monaten die Schließung, wenn nicht Senat, Bezirk und freiwillige Spender die finanziellen Löcher stopfen. Hier, zwischen Dünen und Nadelwäldern, mitten in einem Naturschutzgebiet, haben seit 1963 vor allem Dritt- und Viertklässler wunderbare Ferienwochen verbracht. Hier konnten Stadtkinder zusammen spielen und in der Natur und von der Natur lernen. Aber seit dem 15. März ist das Schullandheim geschlossen, eine – nachvollziehbare – Anweisung des Senates verfügte, dass ab sofort keine Kinder mehr kommen dürfen.

Seitdem gibt es keine Einnahmen mehr, aber die monatlichen Fixkosten von 7000 Euro laufen weiter. Manfred Scholz, der Vorsitzende des Fördervereins der Freunde des Schullandheimes, hat Briefe an den Reinickendorfer SPD-Abgeordneten Jörg Stroedter, an Schulsenatorin Sandra Scheeres und an Sawsan Chebli, die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement geschrieben und um Unterstützung gebeten – siehe auch die Rubrik „Nachbarschaft“ weiter unten im Reinickendorf-Newsletter.

Das Schullandheim „Walter May“ ist nach dem gleichnamigen Reinickendorfer Hauptschulrat benannt, der das Geld für den Bau des Heimes beschaffte und kurz vor dessen Eröffnung starb. Die Schullandheime gab es in West-Berlin in jedem Bezirk. Schulkinder vorwiegend aus den dritten und vierten Klassen sollten hier, zusammen mit ihren Klassenlehrerinnen und Klassenlehrern, eine Schulwoche von Montag bis Freitag verbringen. Lockerer Unterricht und naturkundliche Ausflüge sollten das Gemeinschaftsgefühl stärken. Hier ist der Link zu einer Luftaufnahme des Geländes.

Spätestens nach dem Bau der Mauer war die Woche in Heiligensee gerade für Kinder aus sozial schwachen Familien eine heiß ersehnte Unterbrechung des Alltags. Tausende, vermutlich sogar zehntausende von erwachsenen Berlinerinnen und Berlinern haben so ganz persönliche Erinnerungen an das Schullandheim.

Gehören Sie auch dazu? Dann schreiben Sie mir doch, welche Erlebnisse aus Heiligensee bei Ihnen bis heute im Herzen verankert sind. Ich will diese persönlichen Botschaften gerne im Newsletter veröffentlichen, vielleicht können sie etwas bewegen im politischen Gefüge dieser Stadt. Die Adresse kennen Sie: gerd.appenzeller@tagesspiegel.de. Bitte das Thema gleich im Betreff nennen: Schullandheim.

Natürlich können Sie auch selber noch etwas tun: Das Schullandheim „Walter May“ hat ein Spendenkonto bei der Postbank; Spendenkonto Postbank, IBAN: 1001 0010 0173 6271 07. – Text: Gerd Appenzeller
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Dieser Text
stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Reinickendorf. Die Newsletter für die 12 Berliner Bezirke gibt es für Sie kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de
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