Intro

von Lisa Erzsa Weil

Veröffentlicht am 12.01.2022

sind Sie schon so richtig in 2022 angekommen? Ich glaube, ich muss mich nochmal etwas sortieren, was das Datum angeht. Denn ich hatte Ihnen letzte Woche fälschlicherweise erzählt, die Stadtreinigung hole die Weihnachtsbäume in Reinickendorf am 10. und 17. Januar ab. Richtig sind – bzw. waren – der 8. und 15. Januar, wie aufmerksame Leser:innen bemerkten. Danke für Ihre Hinweise und entschuldigen Sie meinen Patzer.

Eine Falschinformation verbreite ich nicht, wenn ich berichte, dass am vergangenen Montag wieder in Tegel – und ganz Berlin – gegen Corona-Maßnahmen protestiert wurde. Diesmal waren es ca. 800-900 Menschen, die sich zum „Montagsspaziergang“, wie die Organisatoren die Protestmärsche nennen, trafen. Unter anderem, um für „Freiheit und Grundrechte“ und gegen die „Genozidspritze“ zu demonstrieren. „Gott gewinnt“-Rufe gab’s übrigens auch, um das Potpourri der Bezüge und Ideologien zu vervollständigen.

Die Versammlung war angemeldet und verlief größtenteils friedlich. Nun, bis auf die verbalen Beleidigungen gegenüber der Omas gegen Rechts, die in einer kleinen Gruppe zugegen waren: „Wir wollten vorgestern erstmal beobachten, sonst nichts“, sagte mir heute ein Mitglied der Omas gegen Rechts. „Wir waren aber mit Buttons erkennbar als Gruppe von acht Omas gegen Rechts, worauf viele – besonders Männer – uns aggressiv anmachen wollten.“ Das habe eine Ordnerin, die sich schnell vor den Omas aufbaute, professionell, wie das Mitglied betont, zu verhindern gewusst. „Trotzdem fühlten wir uns sehr unwohl und waren froh, dass Polizei ganz in der Nähe war.“

Die Maskenpflicht wurde auf Drängen der diesmal mit verstärkten Kräften anrückenden Polizei am Anfang noch eingehalten. Als am Ende zu Westernhagens „Freiheit“ – der Hymne der Wiedervereinigung – gemeinsam gesungen und getanzt wurde, waren viele Masken nicht mehr zu sehen. Dabei wurde von den Veranstaltern übrigens bemerkt, dass es eine Schande sei, dass der Musiker sich nicht zum Thema Corona positioniert habe. Das Lied muss schon länger bei Coronaprotesten im Umfeld der Querdenker-Bewegung herhalten, genau wie das Konterfei von Willy Brandt und das Kuckuckszitat von Bertolt Brecht. Wo wir wieder beim Potpourri wären.

Nun aber viel Spaß bei der Lektüre dieses Newsletters, der selbstverständlich auch Themen abseits von Corona bereithält.

  • Wie die Montagsdemo in Oranienburg ablief und Protestierende mit Rechtsextremen hadern, hat mein Kollege hier, auf T+, aufgeschrieben.
  • Mehr als 2000 Straftaten gab es 2020 und 2021 bei Corona-Demos in Berlin, zieht eine Ermittlungsgruppe des Staatsschutz‘ Bilanz. Alle Details erfahren Sie auf Tagesspiegel Plus.
  • „Ich glaube, dass es im nächsten Jahr darauf ankommen wird, mit den Leuten, die an diesen ‚Spaziergängen‘ mitgelaufen sind und Ängste bezüglich der Impfung haben, ins Gespräch zu kommen.“ – sagt der Sprecher vom Bündnis für Demokratie und Toleranz. Das spannende Interview finden Sie hier.

Lisa Erzsa Weil ist zugezogene Reinickendorferin. Bevor sie 2020 nach Berlin kam, lebte sie knapp eine Dekade lang in Budapest, wo sie als freie Journalistin, Kulturressort-Leiterin und Reisebuchautorin arbeitete. Über Anregungen, Kritik, Wünsche und Tipps freut sie sich via lisa.weil@extern.tagesspiegel.de.