Kiezkamera

Veröffentlicht am 28.03.2018 von Gerd Appenzeller

„Heute gesehen am Hermsdorfer See. Auch wir sagen Danke!“ Dies schreiben Christine Arlt-Schümann und Malte Schümann und schicken dieses Foto. Gut getan hat mir diese Mail und ich nehme dieses „Danke“ gerne stellvertretend für Sie alle, liebe Leserinnen und Leser des Newsletters, entgegen. Denn mein dauerndes Mahnen, das einstmals landschaftlich so reizvolle Fließtal nicht zu einer durch Totholz, treibende Baumstämme und  Verwahrlosung geprägten Ödnis werden zu lassen, hat den Senat und dessen Verwaltung nur aus einem einzige Grund auf Trab gebracht: Alle wissen, dass der Reinickendorf-Newsletter von vielen tausend Menschen abonniert und gelesen wird.

Im Nachhinein wundert mich auch die Dreistigkeit, mit der immer wieder Missstände geleugnet wurden. Totholz im Fließ werde regelmäßig entfernt, wurde da behauptet – bis ich die Fotos zeigte, die beweisen, dass es nicht stimmt. Das Fließ sei schon seit dem Mittelalter ein eher stehendes Gewässer gewesen, wurde mir als angeblichem Naturschutzignoranten entgegen gehalten – bis ich ein Video zeigte, auf dem man das fröhlich vor sich hin fließende Fließ (Nomen est Omen) nicht nur plätschern sehen, sondern auch hören konnte. Und auf meine Frage, weshalb wohl seit dem 15. Jahrhundert am Fließ Wassermühlen gebaut worden seien, wenn dort nichts fließt, gab es keine Antwort.

Auch ich habe aber dazu gelernt. Zum Beispiel, dass es gute Gründe gibt, das Wehr nahe der A 111 nicht einfach abzusenken, um das Hochwasser schneller Richtung Tegeler See leiten zu können – weil das Wasser unseres Reinickendorfer Flüsschens extrem schadstoffbelastet ist, und deshalb wirklich nur in Notlagen an der Oberflächenwasser-Aufbereitungsanlage in Tegel ungereinigt vorbei fließen darf, denn der Tegeler See seinerseits muss als Trinkwasserquelle geschützt werden – vor Jahrzehnten war er bereits einmal wegen Überdüngung am Umkippen. Als ich mir die Werte der Messstellen in Mühlenbeck, Schildow und Lübars besorgt hatte, erlebte ich eine Überraschung: Die Behauptung, es seien die Lübarser Bauern, die das Fließwasser durch Einleitungen verschmutzten, ist nachweislich falsch – das Wasser ist schon an der ersten Messstation in Mühlenbeck belastet, die Gesamtphosphormenge steigt dann in Schildow noch einmal an, an der dritten Messstelle in Lübars sinkt die Belastung bei den meisten Messungen sogar wieder.

Alle meine Bemühungen, über ein Limnologisches Institut weitere Aufschlüsse zu gewinnen, sind bislang gescheitert – dort bestätigte man sehr freundlich den Eingang meiner Nachfragen, zu einem Gespräch oder vertiefenden Erklärungen kam es bislang nicht. Aber auch da werde ich dran bleiben!

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