Kiezkamera

Veröffentlicht am 22.07.2020 von Gerd Appenzeller

Die Olympischen Spiele in Tokio wurden auf 2021 verschoben. Das betrifft auch zwei Ruderer aus Reinickendorf, die beim Ruder-Club-Tegel aktiv sind: Alyssa Meyer und Olaf Roggensack. Franziska Haupt, die sich für den Ruder Club Tegel 1886 um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, hat mit den beiden Sportlern gesprochen und für den Reinickendorf-Newsletter aufgeschrieben, wie sich Enttäuschungen und Hoffnungen entwickelt haben, wie die beiden mit dem abrupten Abbruch des Trainings umgingen, und wie sie in Zeiten der Isolation versuchten, mental und physisch fit zu bleiben.

Alyssa Meyer: Noch eine Chance. Alyssa Meyer ist seit 2016 in der Frauen-Nationalmannschaft aktiv, sie gehört mit ihren 25 Jahren zu den Ältesten im Team Frauen-Achter. Anfang März 2020 mussten diese Sportlerinnen das letzte Vorbereitungstrainingslager auf Olympia abbrechen und aus dem Trainingsquartier in Ourense im Nordwesten Spaniens abreisen. Anschließend ging es zu Hause direkt ins Heimtraining, da alle Bundesstützpunkte und Vereine geschlossen wurden. Trainingsmaterialien, wie Ruderergometer, Spinning Bikes sowie Hanteln und Gewichte für das Krafttraining, wurden den Ruderinnen nach Hause geliefert. Einfach fiel die plötzliche Umstellung auf das mitunter einsame Heimtraining ohne Teamkolleginnen nicht. Der Kontakt zur Mannschaft war jedoch immer da. Jede Woche gab es Online-Meetings, bei denen Trainer Tom Morris die Mannschaft motivierte und das weitere Vorgehen besprochen wurde. Alyssa Meyer, die in der Ausbildung bei der Bundespolizei ist, hält die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 für eine faire Entscheidung. In den verschiedenen Ländern habe es sehr unterschiedliche Anti-Corona-Richtlinien gegeben, so dass einige Athleten fast normal weitertrainieren konnten, andere hingegen nicht einmal mehr das Haus verlassen durften. Für eine direkte Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio hat es für den deutschen Frauen-Achter bisher nicht gereicht. Im Mai des kommenden Jahres hat die Mannschaft noch eine letzte Chance, sich beim dritten World Cup in Luzern nachzuqualifizieren. Dort wird das Team wahrscheinlich sowohl mit einem Achter, als auch einem Zweier an den Start gehen.

Olaf Roggensack: Alles für Olympia 2024. Auch der 23-jährige Olaf Roggensack befindet sich zurzeit in der Ausbildung der Spitzensportförderungsgruppe der Bundespolizei. Auch er kann, wie Alyssa Meyer, den Vorteil nutzen, dass die Bundespolizei seine Ausbildung für ein weiteres Jahr pausieren lässt, sodass auch er sich optimal auf Olympia 2021 vorbereiten kann. Mit seinen 23 Jahren ist er einer der Jüngsten unter den geförderten Spitzensportlern. Deshalb steht für ihn fest: „Nach Olympia 2021 werde ich auch weiter Rudern. Ich werde meine Ausbildung bei der Bundespolizei beenden und alles für mein Ziel Olympia 2024 tun.“

Im Januar dieses Jahres hatte Olaf Roggensack den Sprung in den Deutschland-Achter geschafft, der alle drei vergangenen Weltmeisterschaften für sich entscheiden konnte. Es sollte seine große Chance sein, gleich im Olympiajahr als Neuling im deutschen Paradeschiff sitzen zu dürfen. Zur Entscheidung über die Verschiebung der Olympischen Spiele meinte er: „Ich war natürlich erst einmal super enttäuscht. Aber in der Situation, die die Welt gerade durchlebt, war es die absolut richtige Entscheidung. In einigen Teilen der Welt sind tausende von Menschen an einer Krankheit gestorben. Da ist ein Sportereignis, auch wenn es für uns Sportler so viel bedeutet, erst einmal unwichtig.“

Mittlerweile schnuppern die Ruderer der deutschen A-Nationalmannschaft wieder etwas „Regatta-Luft“: nach mehreren Monaten, Corona-bedingter Wettkampfpause, fanden nun erste interne Testrennen in Ratzeburg statt. Dass die Tegeler Ruderer ihren beiden prominenten Clubkameraden die Daumen drücken, ist ja ohnedies klar. – Fotos: Ruderclub Tegel, Detlev Seyb

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