Kiezkamera

Veröffentlicht am 11.11.2020 von Gerd Appenzeller

Insel Scharfenberg – die Geschichte eines Namens. Im Oktober 1945 erschien im Tagesspiegel eine Notiz, wonach auf der Insel Scharfenberg im Tegeler See eine neue, Reform-orientierte Schule ihren Betrieb aufgenommen habe. Unmittelbar nach dem Ende des Dritten Reiches mit seiner durch Rassenwahn geprägten Schulpolitik sollte hier ein Zeichen gesetzt werden, stellte der Berichterstatter des Tagesspiegels fest. Die Schule gibt es heute noch, mit den gleichen Idealen wie damals – sie haben sich als zeitlos gültig erwiesen. Hier ist die Originalnotiz aus dem Jahre 1945: Tagesspiegel-Foto.

Und hier können Sie auf einer Luftaufnahme sehen, wo die Insel im Tegeler See liegt: Google Maps.

Aber woher hat die Insel eigentlich ihren Namen? In Zeiten von Corona ist die Recherche erschwert. Vielleicht hätte es im Museum in Hermsdorf einen Hinweis oder eine alte Karte gegeben – alleine, das Museum ist geschlossen und der Versuch, per Email den Kontakt aufzunehmen, ging ins Leere. Aber da erinnerte ich mich an den Kunsterzieher und Maler Martin Gietz, der ja über Jahrzehnte Lehrer auf der Insel gewesen war, und fragte ihn. Und tatsächlich, er half weiter.

„Auch wir haben uns vor vielen Jahren gefragt, woher der Name kam. Im Büro des damaligen Schulleiters Helmut Sommer (von 1977 bis 1992 war er im Amt) hing die Kopie einer alten Karte des Tegeler Sees mit seinen Inseln. In dem Bereich, in dem heute die Fähre verkehrt, stand an der Nordspitze der Insel geschrieben ‚Am Scharffen Berg‘. Der Schreibstil der Karte ließ darauf schließen, dass sie aus dem 18. oder 19. Jahrhundert stammte…

Mit dem Berg ist der so genannte ‚Bolleberg‘ gemeint, so benannt nach dem viele Jahrzehnte auf der Insel tätigen Botaniker Dr. Carl Bolle. Bei dem Berg handelt es sich um eine ca. 12 Meter hohe Düne, die zur Zeit der Entstehung der Karte noch nicht mit Bäumen bewachsen war. Für die auf dem Tegeler See segelnden Fischer war der ‚scharffe Berg‘ vermutlich als Landmarke eine Orientierungshilfe. Hier mussten sie vor der Enge zum Land gegen den Wind kreuzen, noch heute gibt es an dieser Stelle starke Strömungen … Vermutlich gibt es im Landesarchiv oder auch im Reinickendorfer Museum in Hermsdorf noch Kartenmaterial dazu“. Soweit die Erinnerungen von Martin Gietz.

Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, weitere Ergänzungen haben – nur her damit. – Text: Gerd Appenzeller
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Dieser Text stammt aus dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Reinickendorf.
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