Kiezkamera

Veröffentlicht am 31.01.2024 von Valentin Petri

Wie hier auf dem Franz-Neumann-Platz haben am vergangenen Samstag viele Menschen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und vor dem Erstarken rechtsextremer Kräfte gewarnt. Etwa 200 Teilnehmer waren nach Angaben des Netzwerks „Reinickendorf aktiv für Demokratie und Vielfalt!“ auf dem Platz versammelt, der nach dem Politologen und SPD-Politiker benannt ist, der von den Nationalsozialisten verfolgt wurde und schließlich auswanderte.

Pfarrer Matthias Brühe von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien erinnerte an den Priester und Domprobst Bernhard Lichtenberg, der für seinen Einsatz für Juden 1941 verhaftet wurde, in der Strafanstalt Tegel einsaß und 1943 während der Deportation ins Konzentrationslager starb. Manuela Michaelis von der Evangeliums-Kirchengemeinde zu Reinickendorf trug das Gedicht „Der Kamin“ vor, das die 13-jährige Ruth Klüger im Jahr 1944 im Konzentrationslager Auschwitz schrieb. „Es ist ein Zeugnis des Schreckens“, sagt Michaelis.

„Die AfD ist das Ende unserer Freiheit“, erklärte Rednerin und Initiatorin Renate Christians von den „Omas gegen Rechts“ vor der versammelten Menge. Vor dem Hintergrund der kürzlich aufgedeckten Deportationspläne diverser rechter Akteure sei es wichtiger denn je, an das unermessliche Leid und das Sterben unter den Nationalsozialisten zu erinnern und zugleich zu mahnen.

Am Eichborndamm kamen am Samstagvormittag etwa 80 Bürger zusammen, um der Opfer des Nationalsozialismus ohne Beteiligung der AfD zu gedenken. Dazu hatte das Bündnis Reinickendorf gegen Rechts aufgerufen. Die Mahnwache sollte eine Alternative zur zeitgleich stattfindenden offiziellen Gedenkveranstaltung des Bezirks sein, an der auch die AfD teilnahm. Wie letzte Woche berichtet, ist es nach Auffassung der Bezirkspolitik rechtlich ausgeschlossen, die AfD zu der offiziellen Kranzniederlegung nicht einzuladen. Aus Sicht des Bündnisses hätte ein Fernbleiben „die wichtige Veranstaltung schwer beschädigt“.

Beim offiziellen Bezirks-Gedenken am Samstagvormittag legten alle Parteien aus der Bezirksverordnetenversammlung und Vertreter des Bezirksamt Kränze nieder. Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) begrüßte in ihrer Ansprache die jüngsten Demonstrationen gegen Rechts: „Die bislang zu schweigsame Masse der Bevölkerung ist erwacht, um zu zeigen, dass die Berliner Republik wehrhafter ist als die Weimarer – um als Mehrheit die Demokratie gegen ihre Feinde zu verteidigen. Wir dürfen niemals wegsehen, wenn geistige Brandstifter versuchen, Antisemitismus und Hass in unserer Stadt, in unserem Land zu verbreiten“, so die Bürgermeisterin.

  • Foto: Thomas Engler