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Überschwemmungen im Fließtal: Umgestürzte Bäume blockieren Abfluss

Veröffentlicht am 03.01.2018 von Gerd Appenzeller

Seit den Starkregenfällen der ersten Jahreshälfte 2017 ist im Fließtal nichts mehr, wie es vorher war. Anlieger klagen über vollgelaufene Keller und völlig morastige Grundstücke. Die zur Landschaftspflege so erfolgreich eingesetzten Wasserbüffel mussten in trockene Quartiere umziehen, auch heute noch, mehr als sechs Monate nach dem letzten starken Regenfall, ist der Spiegel des Fließ viel zu hoch, stehen überall kleine oder größere Seen. Schon jetzt kann man sich vor einem warmen Frühjahr und Sommer mit bluthungrigen Mückenschwärmen fürchten. Woran liegt es, dass das Wasser nicht abfließt? An der Wasseraufbereitungsanlage in Tegel jedenfalls nicht, eine Zeit lang hatte auch ich entsprechenden Informationen geglaubt. Tatsächlich aber fließt durch diese Anlage nur das Wasser des Nordgrabens.

Ein Sprecher des Bezirksamtes, den ich um eine amtliche Einschätzung der Gründe des anhaltenden Hochwassers bat, schrieb mir jetzt: „In der Tat kann das Wasser nicht ausreichend aus dem Fließtal abfließen. Somit werden Felder überschwemmt – mit negativen Folgen für die Landwirtschaft. Das Bezirksamt bedauert dies und setzt sich deshalb seit Jahren bei der zuständigen Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dafür ein, dass das Fließ gesäubert und gepflegt wird. Doch während das Bezirksamt sich wiederholt dafür eingesetzt hat, den Wasserablauf im Tegeler Fließ zu gewährleisten bzw. wieder herzustellen, vertritt die Senatsverwaltung  die Auffassung, das Fließ möge sich selbst überlassen entwickeln. Hier gibt es einen klaren Konflikt zwischen Bezirksamt und Senat. Das bedeutet: Alle abgestorbenen Pflanzen und umgestürzten Bäume verbleiben derzeit im Fließ – mit den oben beschriebenen Folgen. War es vor vielen Jahren sogar noch möglich, mit dem Kanu den Fließ zu befahren, so ist nun an vielen Stellen eine Verlandung zu beobachten.“ Wer zwischen Lübars und Hermsdorf entlang des Fließtals geht, wird diese Beobachtung bestätigen.

Den Sprecher der Umweltsenatorin, Matthias Tang, habe ich daraufhin mit dem Sachverhalt konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten. Kurz vor Redaktionsschluss des Newsletter traf diese ein. Sie deutet darauf hin, dass uns das Thema noch weiter beschäftigen wird: „Die Gewässerunterhaltung im Tegeler Fließ wird ordnungsgemäß durchgeführt und der Senatsverwaltung ist eine Vernachlässigung der Gewässerunterhaltung nicht bekannt. Die Gewässerunterhaltung führt wöchentlich die Schwerpunktreinigung zur Beseitigung von Abflusshindernissen durch. Des Weiteren erfolgt jährlich eine Krautung/Mahd und auch die Totholzentfernung wird regelmäßig durchgeführt. Die hohen Wasserstände im Tegeler Fließ sind auf die außergewöhnlichen Wetterbedingungen im Jahr 2017 zurückzuführen. Nach den extremen Niederschlägen im Juni und Juli 2017 von insgesamt ca. 320 mm (mittlere Jahressumme der Niederschlagshöhe beträgt 550 mm) blieb auch der restliche Sommer verregnet. Tiefdruckgebiete und ihre Ausläufer, die wolkenreiche Luft mitführten und in einigen Gebieten viel Regen brachten, wurden nur kurz von sonnigen Zwischenhochs unterbrochen. Die Temperaturen im Juli, August und September lagen unter dem langjährigen Mittel und somit ist davon auszugehen, dass auch die Verdunstung geringer ausgefallen ist. Im Herbst lagen die Niederschläge für Berlin und Brandenburg mit 203 Prozent (Oktober 2017) und 136 Prozent (November 2017) deutlich über dem langjährigen Mittel.“ Gerd Appenzeller

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