Namen & Neues
Woher kommt der Schmutz im Fließ
Veröffentlicht am 24.01.2018 von Gerd Appenzeller
„Die Wasserqualität des Tegeler Fließ wird an drei Messstellen (Mühlenbeck, Schildow, Lübars) monatlich überwacht“, teilte mir Matthias Tang, der gleichbleibend freundliche Sprecher der Umweltsenatorin, auf Anfrage mit. Chemische und biologische Untersuchungen zeigten im Fließ abschnittweise sehr hohe Phosphat- und Nitratkonzentrationen an. Nährstoffe könnten aus großflächigen und punktuellen Quellen stammen, sagt Matthias Tang. Die alten Rieselfelder im Norden Berlins seien dabei genauso Ursprung weiterer Verschmutzungen wie Regenwasserzuläufe (über inzwischen geteerte Straßen zum Beispiel) und wahrscheinlich auch Einträge aus der Landwirtschaft. Der ständig sehr hohe Wasserspiegel des Fließ spiele bei der Ausschwemmung von Nährstoffen auch eine Rolle.
Das ist kein neues Phänomen. Wegen der hohen Belastung des Fließ und des Nordgrabens kam es in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu einem verstärkten Algenwachstum im Tegeler See. Im Jahre 1985 wurde eine so hohe Phosphatkonzentration gemessen, dass das Wasser drohte, umzukippen. Deswegen wurde die Phosphateliminierungsanlage in Tegel gebaut, die die Phosphatmenge im Wasser um 90 Prozent reduzierte. Während der Starkregenphase im Sommer 2017 wurden im Fließ aber wieder Phosphatwerte gemessen, die noch deutlich über der Konzentration im Tegeler See 1985 lagen. Die Gründe hat Matthias Tang auch angeführt: Aus überschwemmten Äckern und Wiesen werden Verschmutzungen ausgewaschen, hinzu kommt der Regenwasserzufluss aus umgebenden Straßen. Viele von denen wurden in den letzten Jahrzehnten geteert oder betoniert. Da, wo früher zwischen den Pflastersteinen Wasser versickern konnte, schießt es heute in Kaskaden ungebremst ins Fließ.
Am 23. April 1993 berichtete der Tagesspiegel unter der Überschrift „Viel hängt am Grundwasserstand“ über die Situation im Fließtal. Wörtlich heißt es unter anderem: „So sei das Gebiet durch Sickerwässer von Mülldeponien und Abwässer von Industrieanlagen gefährdet…. Auch die ungeregelte Nutzung für Naherholung wirke sich negativ aus… Die Altlasten auf den verschiedenen Militärstandorten müssten saniert werden, das Einleiten von Industrieabwässern müsste gestoppt werden.“
Dass sich die damals besorgniserregende Lage auch heute noch nicht grundlegend normalisiert hat, geht aus einem Landschaftsplan für die Gemeinde Mühlenbeck aus dem Jahr 2016 hervor, erarbeitet vom Büro für Städtebau und Stadtforschung, Spath und Nagel. Darin heißt es: „Nach den Informationen des Fachinformationssystems Altlasten bestehen im Gemeindegebiet verschiedene Altlasten und altlastenverdächtige Flächen. Der Informationsstand über Art und Umfang der Bodenbelastungen auf den einzelnen Flächen ist unterschiedlich. Während in einigen Fällen genauere Erkenntnisse aus Bodenuntersuchungen und Gutachten vorliegen, besteht in anderen Fällen nur ein allgemeiner, insbesondere durch die vormalige Nutzung indizierter Verdacht auf Bodenbelastungen“. Dann werden dazu Beispiele angeführt: Ein Standort des Chemiewerks Berlin in Schildow; ein Altstandort der Gummiwerke Berlin in Mühlenbeck; ein Standort der Brandenburgischen Motorenwerke in Zühlsdorf; eine 1990 stillgelegte Deponie in Mühlenbeck, über die keine Untersuchungsergebnisse vorliegen, desgleichen in Schildow.
Und entgegen der Behauptung der Behörden, im Hermsdorfer Fließtal gebe es keinerlei den Wasserfluss bremsende Hindernisse durch Äste und Stämme ist das eben doch der Fall – hier können Sie sich auf einer kleinen Videosequenz, die ich am Samstag aufgenommen habe, davon überzeugen: facebook.com