Namen & Neues

Wilde Schweine, wilde Wölfe, anhängliche Rehe

Veröffentlicht am 14.03.2018 von Gerd Appenzeller

Nicht nur die Informationen über die Wölfe ziehen Zuhörer und Informationsdurstige geradezu magisch an, auch die Frage, wie es mit den Wildschweinen weiter geht, beschäftigt die Reinickendorfer. Die letzte Veranstaltung zum Thema war wieder völlig überlaufen – siehe dazu nachfolgenden Bericht und Foto in der „Kiezkamera“. Aber es geht nicht nur um potentiell gefährliche Tiere, nein, auch andere Gäste des Waldes können uns heimsuchen, und das ist ganz wörtlich gemeint: Sie suchen bei uns eine Heimat, zum Beispiel in der Fließniederung und am Rande von Wäldern hinter Zäunen – da kommen nämlich keine Hunde hin! Und dann sind die Rehe da. Und sie gehen nicht mehr! Was tun? Ein Erfahrungstipp, ein unblutiger und gewaltfreier weiter unten…

Die Teilnehmer an der Informationsveranstaltung über die Wildschweinplage nahmen eine Gewissheit mit: Eine akute Gefährdung ist trotz der hohen Zahl der beobachteten Wildschweine nicht gegeben, es sind bislang auch keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest gemeldet worden. Die Wildschweine seien inzwischen an Menschen gewöhnt, aber dennoch solle man sich ihnen nicht leichtsinnig nähern. Eines der größten Probleme sehen die Fachleute in jenen Zeitgenossen, die Wildschweine füttern – dadurch werden die Tiere geradezu magisch auf Wohnsiedlungen fixiert. Auf dem Podium saßen wie schon bei einer früheren Veranstaltung Marc Franusch, Pressesprecher des Landesforstamtes, Jeanette Koepsel, Tierärztin und ehemalige Stadtjägerin, Frank Mosch, Revierförster, Jürgen Rosinsky,  Jäger und CDU-Bürgerdeputierter in der BVV, sowie Stephan Schmidt, MdA, als Gastgeber. Der beschwerte sich in der Veranstaltung auch darüber, dass die Koalitionsmehrheit im Abgeordnetenhaus einen Antrag der CDU-Fraktion abgelehnt habe, die Zahl der Wildschweine deutlich zu begrenzen. Es käme in den Außenbezirken immer wieder zu gefährlichen Begegnungen mit Wildschweinen, was sich Politiker aus der Innenstadt offensichtlich nicht vorstellen könnten, beklagte Schmidt unter großer Zustimmung der mehr als hundert Anwesenden.

Unter die Rubrik „Ungefährlich, aber lästig“ fallen ganz andere Begegnungen zwischen Menschen und Tieren. Fließ- und Waldanlieger berichten über häufigeren Besuch von Rehen, die mühelos Zäune überspringen und sich in ihrem Schutz auch sicher vor Hunden fühlen. Die anfängliche Freude über den Besuch weicht allerdings oft der Ernüchterung. Die Rehe äsen nicht nur die Rasenflächen ab, sondern lieben alle jungen Triebe, auch von Zierpflanzen, von Rhododendronbüschen und Bambuspflanzen. Und: Wo sie sich wohl fühlen, gehen sie nicht mehr weg. Betroffene suchten um Rat – und bekamen ihn: Man solle die Tiere mit Lärm und Flatterbändern vergrämen,  wenn alles nichts hülfe, müsse der Stadtjäger die Tiere abschießen. Nachts Lärm veranstalten, das ist keine so gute Idee, und Flatterbänder stören Rehe nicht – abschießen lassen will sie auch keiner. In einem konkreten Fall, der mir berichtet wurde, half das reichliche Verstreuen von Gartendünger mit hohem Guanoanteil. Der Vogelmist von den Inseln vor der Küste Perus riecht schon für menschliche Nasen ziemlich penetrant, die empfindlichen Rehe mögen ihn überhaupt nicht, ergreifen die Flucht und kommen nicht wieder.

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