Namen & Neues

Noch einmal: Das Regenwasser von der A 111

Veröffentlicht am 21.03.2018 von Gerd Appenzeller

Was wissen wir über die Belastung des Regenwassers, das sporadisch in enormen Mengen über ein unterirdisches Rohrleitungssystem in das grundwassersensible Grabensystem in Heiligensee gepumpt wird? Das hatte der CDU-Abgeordnete Stephan Schmidt von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehrs und Klimaschutz wissen wollen, und hinzugefügt, dass dieses Wasser ja eindeutig von der A 111 stamme – der Newsletter hatte darüber berichtet. Die Senatsverwaltung hatte Schmidt mitgeteilt, sie würde keine regelmäßigen Untersuchungen des Niederschlagswassers veranlassen – und: Auch das Bezirksamt Reinickendorf würde die Böden im Umfeld der Autobahn nicht untersuchen lassen.

Nun landete das Thema über eine Einwohneranfrage in der BVV. Der Fragende wollte wissen, ob Bezirksamt und die Fraktionen der BVV „aufgrund der offenkundigen Versäumnisse der Senatsverwaltung…“ ein eigenes Interesse an Gewässeruntersuchungen hätten. Das wurde jetzt von Bürgermeister Frank Balzer  so beantwortet: Für den Themenbereich Entwässerung der Autobahn A 111 bestünde beim Bezirksamt keinerlei Zuständigkeit. Zudem habe eine einmalige Messung wenig Aussagekraft. Da müsse ein über Monate beziehungsweise Jahre andauerndes Monitoring „in Korrelation mit dem Verkehrsaufkommen und den Wetterbedingungen erfolgen“. Die Kosten für die Untersuchungen müsse, so die Antwort des Bezirksbürgermeisters, „der Bezirk tragen und sie hätten wahrscheinlich auch nur das Ergebnis zur Folge, dass das Wasser belastet ist, ohne gefährlich zu sein. Unmittelbare Maßnahmen leiten sich aus Untersuchungen nicht ab, da der Gesetzgeber bezüglich der Höhe der Schadstoffbelastung durch Niederschlagswassereinleitungen in Gewässer bisher keine konkreten Regelungen getroffen hat“.

Die CDU-Fraktion in der BVV zeigte sich „entsetzt“ über die Antwort der Senatsverwaltung. Sollte sich, heißt es weiter, das „Schlimmste bewahrheiten und die Abwässer ungeprüft und ungeklärt in die Havel fließen und in den Heiligenseer Böden versickern, müssten jedenfalls umfangreiche Änderungen der Planungen und Anlagen vorgenommen werden“.

Man kann das Thema auch so zusammenfassen: Den Bund und die Bundesautobahnen interessiert das Thema nicht, obwohl sie zuständig wären. Den Senat interessiert es nicht, weil er nicht zuständig ist, der Dreck gehört ja dem Bund. Und den Bezirk interessiert es nicht, weil er keine Eingriffsmöglichkeit, sondern nur Kosten sieht. Meine Prognose: Sollte es nach dem nächsten heftigen Niederschlägen ein Fischsterben im Niederneuendorfer See geben, stellen die Behörden fest: Huch, der Dreck kommt ja von der Autobahn!

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