Namen & Neues

Die S-Bahn könnte mehr - wenn Brandenburg wollte

Veröffentlicht am 25.04.2018 von Markus Hesselmann

Seit der Wiedervereinigung sind fast 28 Jahre vergangen. Seit fast drei Jahrzehnten ist also bekannt, dass die Verkehrsverbindungen zwischen Berlin und Brandenburg eine Katastrophe sind, denn in den 28 Jahren zuvor, vom Bau der Mauer im August 1961 bis zum Fall des „antifaschistischen Schutzwalls“  im November 1989, waren die Schienenstränge gekappt, die Straßen durch den Todestreifen großflächig unterbrochen. Vor allem die CDU in Reinickendorf bemüht sich seit Jahren um Kontakte zur CDU in Brandenburg, um gemeinsame Entwicklungs- und Verkehrskonzepte zu erörtern. Man wünschte sich von der SPD, die im Norden Berlins zwar nicht so stark, in Brandenburg aber umso präsenter ist, eine ähnliche Lebendigkeit über die Landesgrenzen hinweg (Liebe Sozialdemokraten, wenn ich was übersehen haben sollte, hauen Sie mich bitte! Und vor allem: Schicken Sie mir Informationen.) Die CDU Reinickendorfs und Pankows haben jetzt im Vereinsheim des VfL Tegel ihre Vorstellungen zur Verkehrspolitik diskutiert und von drei Ad-hoc-Arbeitsgruppen präsentieren lassen:

  • Für den Sektor Individualverkehr wurde die Einführung einer City-Maut wie in London zur Diskussion gestellt.
  • Für den Radverkehr wurde ein Radweg durch den Frohnauer Wald, parallel zur B 96, vorgeschlagen, außerdem ein breiter Radweg über die Heiligenseestraße, die Bernauer Straße und die Ruppiner Chaussee.
  • Im Bereich ÖPNV ging es um die Standardthemen wie die Ausweitung des AB-Bereich auf den ersten Haltepunkt in Brandenburg, den Ausbau der U 8  Richtung Märkisches Viertel und den wünschenswerten 10-Minuten-Takt nach Oranienburg und Hennigsdorf. Hier gab es auch die größte Überraschung: Unter den Gästen war ein ausgewiesener ÖPNV-Experte, erfahrener Planer, ein Diplom-Ingenieur. Er sagte, der 10-Minuten-Takt sei auch ohne Bau eines zweiten Gleises möglich, weil es sich sowohl zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf als auch Heiligensee und Hennigsdorf um eingleisige Abschnitte handele, die in vier Minuten zügig durchfahren werden könnten. Ein Wechselverkehr sei also im 10-Minuten-Takt möglich. So werde es auch schon im Bereich Lankwitz mit der S 25 und auf der Strecke Wannsee-Griebnitzsee-Babelsberg praktiziert. Sowohl von ihm als auch aus dem Publikum wurde der Verdacht geäußert, dass Brandenburg aber an dieser Taktverdichtung kein Interesse habe, weil man von dort eher die Regionalbahnen Richtung Berlin stärken wolle. Übereinstimmend hießt es, dass es der Bahn bereits jetzt am rollenden Material fehlen würde – deutliches Zeichen dafür sei, die Tatsache, dass die S 1 ab Frohnau nur mit sechs statt mit acht Wagen bedient würde, obwohl in der Hauptverkehrszeit die Züge bereits in Hermsdorf oder spätestens Waidmannslust voll seien.