Namen & Neues

Warten auf das zweite Gleis

Veröffentlicht am 01.05.2018 von Gerd Appenzeller

Das war die Überraschung beim Gesprächsabend der Pankower und der Reinickendorfer CDU über die Verkehrsanbindungen im Berliner Norden: Ein Experte, in leitender Stellung bei einem großen Unternehmen des ÖPNV, vertrat die Ansicht, die S-Bahn könne heute schon bei geschickter Taktung zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf und zwischen Heiligensee und Hennigsdorf im Zehn-Minuten-Takt fahren, obwohl diese Strecken eingleisig sind. Der Experte hält die Umsetzung für realistisch, weil beide Strecken in wenigen Minuten zu durchfahren sind, und verweist auf ähnliche Erfahrungen zwischen den S-Bahnhöfen Wannsee und Potsdam, wo es auch eingleisige Strecken gibt. Das größte Problem sieht der Experte aber, wie berichtet, im Fehlen des rollenden Materials. Die S-Bahn habe überhaupt nicht genügend Wagen – was man heute ja schon daran sieht, dass nur die Züge ab und bis Oranienburg acht Wagen haben, während die ab und nach Frohnau nur mit sechs Wagen ausgerüstet sind.

Dazu schreibt mir ein Leser, der sich selbst als interessierten Laien bezeichnet, dass für die S 25 nicht nur Wagen fehlen würden (er kommt rechnerisch alleine bei der S 25 auf einen Fehlbestand von zehn Wagen), sondern dass es auch am Personal fehle, um die dichtere Taktfolge überhaupt fahren zu können – hier rechnet er ein Defizit von vier bis sechs Triebwagenführern vor. Zudem müssten die Leistungen von den Ländern „bestellt“ werden, und dafür fehle es sowohl an Geld als auch am Willen. Und er schließt seine Mail so: „Der Wunsch-Fahrplan der CDU und des Bezirks Reinickendorf ist theoretisch möglich, aber praktisch mit der vorhandenen Infrastruktur nicht umsetzbar.“

Aus Heiligensee schreibt mir ein Leser des Newsletters, dass nach seinen Berechnungen allenfalls ein 15-Minuten-Takt bei der S 25 möglich sei, für einen Zehn-Minuten-Takt reiche die zur Verfügung stehende Zeit zwischen zwei Haltepunkten nicht aus. Aber er regt an, dem Beispiel von Städten wie Karlsruhe, Chemnitz und Kassel zu folgen, und die S-Bahn mit einem weiteren Stromsystem auszustatten, damit die S-Bahn im Umland auf den Strecken der DB mit  15KV Wechselstrom fahren könne. In den genannten drei Städten funktioniere das hervorragend.

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