Namen & Neues

Parkzone Hermsdorf beschäftigt die Leser

Veröffentlicht am 20.02.2019 von Gerd Appenzeller

Einen Hang zur Robin-Hood-Attitüde hat mir sehr nett Bezirksbürgermeister Frank Balzer bescheinigt, weil ich den Preis von 20 Euro für die Parkerlaubnis für Anwohner zu hoch fand. Ich konzedierte, dass die Höhe nicht vom Bezirk, sondern über den Senat festgelegt wurde, fühlte mich ansonsten von dem Robin-Hood-Vorwurf gar nicht beleidigt. Als Beleg dafür, dass das Thema die Nordberliner sehr beschäftigt, eine kleine Auswahl der Mails:

Unnötige Maßnahme: „Die Bauarbeiten, die Parkeinschränkungsschilder, die aufgestellt werden, die Kosten, die da entstehen, hier geht es nicht vorrangig um 10 oder 20 Euro, hier geht es um die Verhältnismäßigkeit. Das kontrollieren durch Politessen etc. kommt hinzu. Eine völlig unnötige Maßnahme. Und das in den Straßen, die abseits der Heinsestrasse liegen und weder von Pendlern, noch sonst irgendjemand zugeparkt werden. Hier wurde offensichtlich nie recherchiert , kein Anwohner wurde befragt, geschweige denn rechtzeitig informiert! Völlig richtig auch der Einwand auf die betroffenen Schulen und ihr Personal und dazu Besucher. WK, Hermsdorf“

Das Wesentliche vergessen: „So schön alle Maßnahmen sind, die das Zuparken der Umgebung des S-Bahnhofs Hermsdorf durch Berufspendler betreffen, vermisse ich auch hier wieder eine mit Brandenburg abgestimmte Verkehrspolitik. Die Berufspendler aus Glienicke können doch am wenigsten dafür, dass die ÖPNV-Verhältnisse so sind, wie sie sind. Sollen sie zur S-Bahn laufen? Schon die ständig wiederholten Forderungen nach Benutzung des Fahrrads gehen hier fehl, denn auch die wenigen geeigneten Flächen am Bahnhof Hermsdorf sind schon heute tagsüber mit Massen von Fahrrädern zugestellt. Wann kapiert die Politik endlich, dass ich zuerst ein ordentliches ÖPNV-Angebot schaffen muss, ehe ich Autoverbotszonen einrichten kann! Die allererste Forderung wäre m.E. die Wiederherstellung der BVG-Buslinie 107 , die bekanntlich im Dezember 2017 zwischen Glienicke und dem S-Bahnhof Hermsdorf eingestellt worden und durch eine unzureichende OHV-Linie aus Zühlsdorf/Mühlenbeck ersetzt wurde. Wenn man berücksichtigt, wie Glienicke in den Jahren seit 1990 gewachsen ist, wäre auch die Einrichtung einer Kiez-Ringlinie bis hin zum S-Bahnhof Frohnau über den Fürstendamm zu wünschen. Dazu kommt natürlich auch die schon lange bestehende Forderung nach Ausbau der S 1 zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf, um zumindest bis Birkenwerder einen 10-Minuten-Takt und ab Frohnau im Berufsverkehr einen 5-Minuten-Takt einrichten zu können. WM, Lübars“

Nicht nur Lehrer betroffen: „Nun habe ich gerade beim Überfliegen der Überschriften des neuen Newsletters die Frage der Lehrer des bei uns um die Ecke befindlichen Gymnasiums und auch der Grundschule in Hermsdorf gelesen, wo sie denn jetzt parken können. Diese Frage stellen sich nicht nur die Lehrer, sondern auch wir, die direkten Anwohner dieser neuen Zeitpark-Zone. Wir wohnen am Hermsdorfer Damm, also direkt am Rande der Zone, zwischen Backnanger und Fellbacher Straße, und ich denke, dass sich ab 1. März die Parksituation in genau dieser Ecke mit den anliegenden Straßen stark verschärfen wird. Es ist nicht davon auszugehen, dass plötzlich alle Pendler verschwinden und nicht mehr in Hermsdorf in die S-Bahn steigen werden. Sie werden eben außerhalb der neuen ‚Bannzone‘ parken, und das sind u.a. auch der Hermsdorfer Damm, Drewitzer Straße, Friedrichsthaler Weg und weitere anliegende Straßen, und sie werden den etwas weiteren Gang zur S-Bahn sicher in Kauf nehmen. Ich begrüße die Bemühungen, die Parksituation zu entschärfen, durchaus. Aber so werden die Probleme voraussichtlich nicht gelöst, sondern nur verlagert. Benötigt wird ein größerer Parkplatz für den Pendlerverkehr bzw. endlich der anständige Ausbau der S-Bahn, um der Situation der Randgebiete Berlins und des Speckgürtels Rechnung zu tragen. KM, Hermsdorf“

Was ist mit den berufstätigen Eltern? „Ich kann durchaus die mit dieser Maßnahme verbundenen Gründe nachvollziehen, frage mich allerdings, welche alternativen Möglichkeiten geschaffen werden, um sicherzustellen, dass berufstätige Eltern, die ihre Kinder in die Schule und in die Kita bringen und nachmittags dort wieder abholen, weiterhin die Möglichkeit haben, den öffentlichen Nahverkehr in die Stadt zu ihrem Arbeitsplatz nutzen zu können. Mein Mann und ich arbeiten beide in Mitte und nutzen für unseren Arbeitsweg derzeit die S-Bahn ab Hermsdorf. Vorher bringen wir unsere jüngste Tochter in die Kita in Hermsdorf und unsere ältere Tochter in die Grundschule in Waidmannslust. Nachmittags holt einer von uns die beiden ab. In der Regel haben sie dann Schwimmen im Märkischen Viertel, Flötenunterricht am anderen Ende von Hermsdorf u.v.m. In der Regel nehmen wir dann noch ein weiteres Kind mit. Wir selbst wohnen zu weit, um mit kleinen Kindern zu Fuß zur Schule nach Waidmannslust oder auch zur Kita zu laufen. Vernünftig ausgebaute Fahrradwege gibt es in Hermsdorf leider kaum; die Gehwege und Straßen sind i.d.R. in einem sehr schlechten Zustand… Nun plant der Bezirk eine Parkraumbewirtschaftungszone, die uns zumindest auf den ersten Blick künftig nicht mehr erlauben wird, länger als 3 Stunden am S-Bahnhof Hermsdorf zu parken. Ich möchte daher gerne wissen, welche alternativen Möglichkeiten… es gibt, damit wir unseren ohnehin sehr komplexen Familienalltag weiterhin stemmen können… KA, Hermsdorf“

P.S.: Auch in Frohnau ist ab 1. April eine Kurzparkzone beplant. Mehr dazu im Newsletter hier.

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