Namen & Neues

Tegel-Chaos: Inhaber eines Reisebüros schildert Zustände auf dem TXL in dramatischen Worten

Veröffentlicht am 13.03.2019 von Gerd Appenzeller

Der Mann klang geradezu verzweifelt. Dass empörte Nutzer des Flughafens Tegel beim Tagesspiegel anrufen und meinen Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion schildern, was sie auf dem hochfrequentierten Flughafen im Norden Berlins erlebt haben – das gehört zum Redaktionsalltag. Aber jetzt hat sich bei mir der Reinickendorfer Inhaber eines alteingesessenen Reisebüros gemeldet und die jüngsten Erlebnisse seiner Kunden geschildert. Es ging ihm nicht um das übliche Berliner Lamentieren, sondern ihn trieb eine ernste Sorge: Wie soll das erst zur Hauptreisezeit im Sommer werden, wenn jetzt schon alles zusammenbricht, fragte er. Das Zentrum des alltäglichen Chaos ist Terminal C, das frühere Air-Berlin-Terminal. Jeder, der hier schon abgeflogen ist oder Freunde abholte, kennt die Situation: Lange Schlangen, Durcheinander, Warten auf Gepäck. Beim Abfliegen geht es meist irgendwie, sagt der Informant, da haben die Airlines ein Interesse daran, dass die Flugzeuge und die Passagiere schnell weg sind.

Richtig schlimm ist es mit den landenden Maschinen, denn da ist es den Airlines am Abend ziemlich egal, was mit den Passagieren passiert, wenn die Flugzeuge nicht noch einmal starten müssen. Dass nach der Landung keine Fahrgastbrücken da seien, gehöre schon zum Alltag. Dass dann keine Busfahrer bereit stehen, auch. Aber dann ist auch die Gepäckausgabe zu, weil das Personal eben einfach Feierabend macht. Das Schicksal der Passagiere, und wie sie zu ihrem Gepäck kommen, sei allen Beteiligten offensichtlich ziemlich egal. Die müssen dann nämlich den langen Weg vom Terminal C zum „Lost-and-found“-Schalter im Terminal A laufen, und dort Gepäckstück für Gepäckstück ihre Adressen angeben. Am nächsten Tag soll das Gepäck dann zugestellt werden. Einmal ganz abgesehen von dem damit für den Flughafen verbundenen, finanziellen Aufwand: Wenn die Passagiere am nächsten Tag arbeiten müssen, können sie das Gepäck überhaupt nicht entgegennehmen. Was der Informant besonders erschütternd fand: Am letzten Sonntagabend stand noch die Landung von zehn Maschinen aus, als das Personal Feierabend machte.

Kritisch kann es, so der Reisefachmann, auch bei Abflügen am frühen Morgen werden. Wegen des absehbaren Chaos werden Passagiere aufgefordert, sich zwei Stunden vor Abflug einzufinden. Bei den Frühmaschinen (Start sechs Uhr) heißt das: Eintreffen um vier Uhr. Da ist der Flughafen aber noch abgeschlossen… Wie soll das erst im Sommer werden, in der Hauptreisesaison, oder an Ostern? Eine Antwort darauf hat der Tourismusfachmann auch nicht. Immerhin ein Trost: Es gibt Airlines, die beim Start durch bessere Organisation das Drama in Grenzen halten, sagt er. Ausgerechnet Easyjet gehöre dazu, obwohl die ja zu den Billigfliegern zählen…

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