Namen & Neues
Strandbad Tegel bleibt weiter trocken
Veröffentlicht am 29.05.2019 von Gerd Appenzeller
Es war nicht anders zu erwarten bei einem Senat, der sich bevorzugt um Probleme und Wünsche der Innenstadt kümmert: In Reinickendorf steht die dritte Badesaison am Tegeler See ohne das Strandbad Tegel bevor. Seit der Beendigung eines Interessenbekundungsverfahrens zur Vermarktung des Strandbads am 30. November 2018 liegen dem Senat und den Berliner Bäder-Betrieben nach eigenen Angaben drei seriöse und tragfähige Konzepte von potentiellen privaten Betreibern vor. Dies ist unter anderem das Ergebnis einer parlamentarischen Anfrage des CDU-Abgeordneten Tim-Christopher Zeelen. Diese drei Interessenten haben ihre Konzepte vorgestellt. Sie beinhalten neben dem saisonalen Badebetrieb auch Gastronomie, Veranstaltungen und Nachhaltigkeitskonzepte. Nun kann ein Vergabeverfahren gestartet werden. Die genaue Art des Verfahrens steht jedoch immer noch nicht fest. Nicht nur Zeelen ärgert sich: „Es ist für mich unbegreiflich, dass Senat und Bäder-Betriebe ein halbes Jahr nach Ende des Interessenbekundungsverfahrens noch immer nicht den nächsten Verfahrensschritt eingeleitet haben – zumal das Verfahren auch schon mit großer Verzögerung begann. Es gibt für das Strandbad Tegel private Interessenten, es gibt gute Konzepte und dennoch geht es nicht voran.“

Nach Angaben des Senats ist keine finanzielle Unterstützung eines möglichen privaten Betreibers aus öffentlicher Hand geplant. Das ist besonders ärgerlich und vermutlich ein kaum überwindbares Hindernis bei einer Neuverpachtung: Die nicht mehr zulässige Abwasserleitung des Bades wurde mit Beton verfüllt und somit unbenutzbar gemacht. Während die Beseitigung der Leitung selbst kein Problem gewesen wäre, wird das nun wegen des erheblichen Gewichtes der mit Beton verfüllten Rohre eine sehr teure Angelegenheit.
Eine Verbesserung der Verkehrsanbindung mittels Bus-Linie zum Strandbad Tegel und die Ausweitung der Parkplätze sind für die Berliner Bäderbetriebe, die unter Aufsicht des Innen- und Sportsenators stehen, ebenfalls kein Thema. Stattdessen wird vom Senat darauf verwiesen, dass längere Fußwege zumutbar seien. Der kürzeste Weg zur nächsten Bushaltestelle in der Spechtstraße beträgt 1,3 Kilometer durch den Tegeler Forst. Da wir hier nicht über Menschen auf der Flucht reden, die große Anstrengungen auf sich nehmen müssen, um zu überleben, sondern über Familien mit kleinen Kindern, die nichts als ein harmloses Badevergnügen suchen, ist alleine diese Auskunft schon eine Unverschämtheit.
Dass man alternative Verkehrsmittel wie das Fahrrad nutzen könne, so der Senat, ist selbstverständlich. Aber vielleicht sollten die Verantwortlichen einfach mal eine Ortsbegehung machen. Im Gegensatz zu heute gab es früher entlang der Straße zum Strandbad noch zusätzliche Parkplätze, erinnert sich der Bezirksverordnete Felix Schönebeck, CDU. Diese wurden mit der Zeit ersatzlos abgeschafft. Zudem fuhr der so genannte „Schmetterlingsbus“ vom U-Bahnhof Seestraße über Alt-Tegel bis zum Strandbad. Heute gibt es keine direkte Bus-Anbindung mehr. Dabei gab es schon viele praktikable Ideen, wie beispielsweise die Verlängerung der Linie 324 vom Falkenplatz oder eine Schleife der Linie 222 bis zum Strandbad Tegel. Leider sind bisher alle Vorschläge aus Politik und Bevölkerung auf taube Ohren gestoßen.
Foto: Kai-Uwe Heinrich