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Das mysteriöse Hundesterben am Tegeler See

Veröffentlicht am 12.06.2019 von Gerd Appenzeller

Das mysteriöse Hundesterben am Tegeler See. Immer wieder gab es in den letzten Wochen Meldungen über Vergiftungen von Hunden, die vorher am Tegeler See frei gelaufen waren. Ist ein Hundehasser unterwegs, der Giftköder auslegt? Das war die größte Sorge in Berlin-Reinickendorf.

Von Anfang an aber gab es auch einen anderen Verdacht. Sondern die Blaualgen in Ufernähe ein Gift ab, Anatoxin A, welches die inneren Organe der Hunde so schnell durchsetzt, dass auch Tierärzte nicht mehr helfen können? Ordnungsstadtrat Sebastian Maack hat dies auf meine Rückfrage nun bezüglich eines Falls im Mai ausdrücklich bestätigt, aber mit einer Einschränkung, einer Unsicherheit: „In der Tat hat die Obduktion des Hundes ergeben, dass dieser Anatoxin-A im Magen hatte. Der Hund ist auch mit ziemlicher Sicherheit an einer Vergiftung gestorben. Um ganz sicher zu sein, wird jetzt noch einmal nach anderen Giften gesucht. Insgesamt stehen wir hier vor einem Rätsel, auf das die wissenschaftliche Forschung noch keine Antwort kennt. Wir haben im Tegeler See eine sehr geringe Konzentration an Blaualgen und Anatoxin-A, aber trotzdem versterben Hunde nach dem Aufenthalt am Wasser. Um hierauf eine Antwort zu erhalten ist schon so etwas wie Grundlagenforschung erforderlich.“

Bereits zuvor hatte die Behörde von zwei Fällen von Vergiftungserscheinungen bei Hunden am Tegeler See im Bereich der Neheimer Straße / Borsigdamm berichtet. Die routinemäßigen Badewasserproben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales an den fünf dafür vorgesehenen Punkten des Tegeler Sees zeigten keine Auffälligkeiten, die Badewasserqualität ist überall gut. Auf der Grundlage der aktuellen Daten gibt es keinen Hinweis auf eine Belastung des Seewassers, der eine Badewarnung für Menschen rechtfertigen würde. Ungeachtet dessen könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass außerhalb der Badestellen eine Gesundheitsgefahr für Hunde besteht. Leider gibt es bisher nur wenig wissenschaftliche Informationen zur Empfindlichkeit von Hunden gegenüber Blaualgentoxinen. Es kann aufgrund der bisherigen Beobachtungen nur vermutet werden, dass Hunde empfindlich auf Blaualgentoxine reagieren und schon bei Aufnahme vergleichsweise geringer Konzentrationen Vergiftungserscheinungen zeigen.

Möglicherweise sind sie zudem aufgrund folgender Umstände besonders gefährdet: Die im Jahr 2017 erstmals im Tegeler See nachgewiesene Blaualgenart wächst bevorzugt im Frühjahr, wenn die Tage länger werden, aber die Wassertemperaturen noch niedrig sind. Hunde begeben sich im Gegensatz zum Menschen auch bei kaltem Wasser in den See, um dort zu trinken. Sie nehmen dabei unter Umstände größere Mengen Wasser auf. Außerhalb der offiziellen Badestellen befinden sich im Uferbereich zudem Pflanzen, die Blaualgen enthalten können. Möglicherweise sind diese wegen bestimmter Duftstoffe für Hunde besonders attraktiv. Es ist nicht auszuschließen, dass Hunde auch solche Pflanzenteile aufnehmen. Daher wird dringend empfohlen, Hunde generell vom Wasser des Tegeler Sees fernzuhalten. – Gerd Appenzeller
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