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Durchgangsverkehr im Waldseeviertel: Ein neues Gutachten liegt vor
Veröffentlicht am 23.10.2019 von Gerd Appenzeller
Durchgangsverkehr im Waldseeviertel: Ein neues Gutachten liegt vor. Die Bürgerinitiative im Hermsdorfer Waldseeviertel in Berlin-Reinickendorf hat ein zweites Verkehrs-Gutachten erarbeitet, welches auf umfangreichen Verkehrsmessungen der Polizei im Kiez beruht. Dabei kam ein so genanntes Seitenradargerät zum Einsatz, welches anonymisiert, also ohne Bilddokumentation, die Geschwindigkeiten aller Verkehrsteilnehmer gemessen hat. Die Fakten:
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- Werktags fuhren durchschnittlich 6.402 Kfz durch das Waldseeviertel. Das Verkehrsaufkommen im reinen Wohngebiet am Waldsee entspricht somit nachweislich demjenigen einer Hauptverkehrsstraße, was sie jedoch faktisch nicht ist. Durch den starken Durchgangsverkehr ist die kleine Schildower Straße östlich des Waldsees, baulich bedingt, an acht Stunden am Tag überlastet, nämlich zwischen 6 und 9 Uhr sowie von 14 bis 19 Uhr.
- Die Tempo-30-Zone wurde grundsätzlich missachtet: Am Hermsdorfer Damm fuhren 98,2% aller Verkehrsteilnehmer zu schnell, auf der Schildower Straße waren es 96,0%. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag jeweils bei 44 km/h; die gemessene Spitzengeschwindigkeit war 93 km/h auf dem Hermsdorfer Damm, beziehungsweise 90 km/h auf der Schildower Straße.
Aus dem Gutachten geht nach Ansicht derer, die es erstellt haben, also hervor, dass im Waldseeviertel schlichtweg Verkehrsanarchie herrscht: Es wird notorisch und vorsätzlich gerast. In Verbindung mit der aggressiven Fahrweise der motorisierten Verkehrsteilnehmer ergeben sich akute Gefahren, die sich leider im Juni in einem schweren Motorradunfall am Waldsee manifestiert hatten. Die Bürgerinitiative für mehr Verkehrsberuhigung hofft, dass die politisch verantwortlichen Personen nach mehr als zwanzig Jahren des Protests und einer langen Liste von erfolglosen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung nun endlich den Mut aufbringen, das Waldseeviertel zur Sackgasse zu machen. – Text: Gerd Appenzeller
- Mein „Intro“ zur Lage: Der Don Quichotte vom Waldseeviertel. Hier der Tagesspiegel-Link.
- Das Portrait: Der Mann, der gegen den Verkehrsärger kämpft. Hier mein Portrait.
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Zum Newsletter-Autor: Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 24 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an gerd.appenzeller@tagesspiegel.de