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Das Ende der Markthalle – für sechs Monate
Veröffentlicht am 11.12.2019 von Gerd Appenzeller

Das Ende der Markthalle – für sechs Monate. Nun steht es fest: Die Markthalle Tegel im Berliner Bezirk Reinickendorf muss wegen der geplanten Umbauarbeiten in der Gorkistraße ab 6. Januar schließen. Sie wird in etwa einem halben Jahr am neuen Standort wieder eröffnen. Dieser Standort sei sowohl von der Gorki- als auch von der Grußdorfstraße aus zugänglich, teilt Investor Harald Huth mit. Daraus kann man schließen, dass er auf der gleichen Straßenseite wie bislang liegen wird.
Eine Übergangslösung auf der westlichen Seite der Berliner Straße am Hafen in einem oder mehreren Zelten kam wegen zu geringen Interesses nicht zustande. Auch dies geht aus einer Mitteilung des Investors Huth hervor, bei dem der Reinickendorf-Newsletter nach dem aktuellen Stand gefragt hatte. Harald Huth hat seine Erklärung nach eigenen Angaben mit dem Bezirksamt abgestimmt. Den Wortlaut der Erklärung finden Sie weiter unten.

Fakt ist, dass sich einige Händler, bei denen ich nachfragte, mit Harald Huth auf eine Lösung verständigt haben, während andere mir erklärten, dass sie nicht wüssten, wie es weiter geht. Sicher ist auch, dass eine Geschäftspause von einem halben Jahr für die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Arbeitslosigkeit bedeutet. Ob die Geschäfte selbst überleben, hängt davon ab, ob die Markthalle ihr einziger Standort ist und ob sie in der Nähe der jetzigen Halle für ein halbes Jahr alternative Verkaufsflächen anmieten können. In jedem Fall geht mit der Schließung der Halle auch ein wichtiger sozialer Begegnungsort verloren.
Kein Schicki-Micki: Den Charme der Markthalle machte auch das gastronomische Angebot aus, dass von Schicki-Micki weit entfernt, einem Nachbarschaftstreff für ältere Tegeler aber sehr nah war. Vor mehr als 100 Jahren begann das Markttreiben in Tegel mit einzelnen Ständen – bis vor wenigen Jahren war sie DER Einkaufstipp für hochwertige, frische Lebensmittel.
Haben Sie Fotos aus dieser Zeit? Bitte schicken Sie sie an gerd.appenzeller@tagesspiegel.de Es wäre doch gelacht, wenn wir die Erinnerung nicht bis zur Wiedereröffnung wach halten können…

Wie geht es weiter in der Gorkistraße mit der beliebten Markthalle? Diese Frage an Investor Harald Huth beantwortete er mit einer offiziellen Mitteilung, die nach eigenen Angaben „mit dem Bezirksamt Tegel“ abgestimmt sei. Hier der Wortlaut:
- „Aufgrund von Bauarbeiten im Rahmen des HGHI-Projektes „Fußgängerzone Gorkistraße/Tegel-Quartier“ wird die Markthalle Tegel in Berlin-Tegel ab 6. Januar 2020 für ca. sechs Monate schließen. Die Markthalle Tegel wird anschließend an einem neuen Standort im Südteil des Areals mit Zugangsmöglichkeiten aus der Gorkistraße und Grußdorfstraße wiedereröffnen.
- Für die Übergangszeit bis zur Neueröffnung bot das Bezirksamt Reinickendorf von Berlin den Mietern der Markthalle Tegel eine Ausweichfläche in unmittelbarer Nähe des derzeitigen Standortes an. Auch Harald Gerome Huth, Geschäftsführer und Inhaber der HGHI Holding GmbH, hat dem Bezirksamt Reinickendorf diesbezüglich seine finanzielle Unterstützung zugesichert.
- Die Nachfrage der Markthallen-Mieter nach Übergangsflächen bis zur Neueröffnung war jedoch zu gering. Lediglich drei von insgesamt 25 Händlern interessierten sich für eine Ausweichfläche. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird ein Ausweichstandort mit nur drei Händlern weder für den Betreiber noch für die Händler funktionieren, da der Betrieb einer Interimsmarkthalle mit Grundkosten verbunden ist. Aufgrund dessen wird es keinen Ersatzstandort geben.
- 2016 erwarb die HGHI das ehemalige Tegel-Center sowie das ehemalige Hertie-Haus in der 250 Meter langen Fußgängerzone Gorkistraße. Diese Gebäude wurden teilweise abgerissen oder umfangreich modernisiert und erweitert. Die HGHI errichtet die ca. 45 Jahre alte Fußgängerzone auf ca. 80 % aller Gebäudeteile neu. Die Modernisierung der alten Fußgängerzone Gorkistraße ist eines der bundesweit ersten Refurbishments einer kompletten Fußgängerzone. Bis 2021 entsteht hier eine zeitgemäße Fußgängerzone mit ca. 100 Shops auf ca. 36.000 qm Retailfläche, ca. 28.000 qm Bürofläche sowie ca. 320 PKW-Stellplätzen. Die traditionsreiche Markthalle Tegel, die auf eine 100-jährige Geschichte zurückblickt, wird dabei wieder in die Fußgängerzone integriert.
- Ein großer Erfolg für das Projekt: Mehr als 80 % aller Mietflächen sind bereits vermietet. Neben namhaften Einzelhändlern wie P&C, Galeria Karstadt Kaufhof oder Rewe zieht auch die Deutsche Rentenversicherung Bund als Büromieter auf insgesamt 28.000 qm in die „Fußgängerzone Gorkistraße/Tegel-Quartier“. „Die Tegeler dürfen sich schon jetzt auf einen vielseitigen Angebotsmix aus Mode, Gastronomie, Haushaltswaren und Dienstleistungen freuen.“ – Text: Gerd Appenzeller+++
Dieser Text stammt aus dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Reinickendorf. Den gibt es in voller Länge und kostenlos unter leute.tagesspiegel.de.
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