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Asbest in der Wohnung? Gewobag hat vielleicht 20.000 Problemfälle
Veröffentlicht am 19.02.2020 von Gerd Appenzeller

Asbest in der Wohnung? Gewobag hat vielleicht 20.000 Problemfälle. Das klang dramatisch: Im vergangenen Jahr haben städtische Wohnungsbaugesellschaften viele Wohnungen aufgekauft, um für eine Entspannung auf dem Mietwohnungsmarkt zu sorgen. Der Gedanke, der dahinter stand: Gesellschaften wie die Degewo, Gesobau oder Gewobag, um nur einige zu nennen, werden keine Mietpreis-treibende Politik machen.
Nun stellt sich heraus, dass viele tausend dieser Wohnungen, die zum großen Teil in den 60-er,70-er und 80-er Jahren errichtet wurden, mit Asbest belastet sein könnten. Wohlgemerkt: Könnten – nicht belastet sein müssen. Der Abgeordnete der Grünen, Andreas Otto, wollte jetzt vom Senat wissen, wie viele mit Asbest belastete Wohnungen sich im Besitz der landeseigenen Unternehmen befinden – hier das Papier, schwarz auf weiß.
Die Antwort: Alleine die Gewobag besitzt etwa 20.000 Wohnungen, die mit Asbest belastet sein könnten. Die meisten davon, nämlich 7330, liegen in Spandau. In Reinickendorf sind 4390 Wohnungen betroffen. Viele dieser Wohnungen hat die Gewobag tatsächlich erst im vergangenen Jahr erworben, nämlich 3350 in Spandau und 2350 in Reinickendorf.
Ich wollte wissen, wie die Wohnungsgesellschaft mit dem Problem umgeht und fragte Anne Grubert, die Leiterin der Unternehmenskommunikation, wie ihre Geschäftsführung mit dem Problem umgeht und ob schnelle, konkrete Maßnahmen geplant sind. Hier ihre Antwort:
- „Wir gehen nicht davon aus, dass alle 6.000 Wohnungen (die 2019 gekauft wurden, D. Rad.) der beiden Quartiere in Spandau und Reinickendorf betroffen sind. Baujahresbedingt ist jedoch damit zu rechnen, dass die angekauften Bestände aus den 1960 bis 1990er Jahren zumindest teilweise asbestbelastet sind. Über mögliche Maßnahmen können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch keine konkreten Aussagen machen.
- Grundsätzlich erfolgen Asbestsanierungen bei Mieterwechseln oder bei mieterseitiger Meldung vorliegender Schäden an asbesthaltigen Bauteilen. Die Objekte wurden im Rahmen der Technischen Due Diligence (Wertermittlung, D. Rad.) durch einen Dienstleister begangen und der technische Gebäudezustand beurteilt.
- Vor dem Kauf waren Wohnungsbesichtigungen in diesem Rahmen nicht möglich. Da wir jedoch umfangreiche Erfahrungen aus vergleichbaren Beständen und deren Sanierung haben, wurde die gegebenenfalls erforderliche Asbestsanierung von Wohnungen entsprechend aus Erfahrungswerten abgeleitet. Die Gewobag hat in den letzten Jahren pro Jahr rund 1.000 bis 2.000 Wohnungen in ihrem Bestand asbestsaniert.
- Bitte erlauben Sie mir noch einen kleinen Hinweis: Wir haben den Ankauf im vergangenen Jahr eigenständig und ohne Drängen des Senats realisiert. Als landeseigenes Unternehmen nehmen wir unseren Auftrag, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen sehr ernst. Vor diesem Hintergrund sondieren wir stets den Markt nach passenden Angeboten.“
Anmerkung der Redaktion: Tatsächlich ist es auch bei anderen Wohnungsunternehmen üblich, dass Sanierungsnotwendigkeiten erst beim Wechsel des Mieters geprüft werden, beziehungsweise nur dann sofort umgesetzt werden, wenn es akute Mängel gibt. – Text: Gerd Appenzeller
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