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Wer ist schuld? Die zerstörte Brücke zur Humboldt-Insel

Veröffentlicht am 18.03.2020 von Gerd Appenzeller

Wer ist schuld? Die zerstörte Brücke zur Humboldt-Insel. Es ist ein Ärgernis seit mehr als drei Jahren. Seit die Humboldt-Insel in Berlin-Tegel mit attraktiven Eigentumswohnungen bebaut wurde, ist die Fußgängerbrücke aus Tegel auf die Insel unbenutzbar. Schlimmer noch, sie verfällt mehr und mehr, ganze Bohlen fehlen. Wer ist schuld daran? Diese Frage stellte ich im letzten Newsletter, und ich bin nicht der einzige, der sich über den Zustand ärgert. Immerhin ist sowohl für Ältere wie auch für Schulkinder eine kurze Verbindung zwischen dem Ortskern Tegel und dem Schlossviertel unbenutzbar. Der rührige CDU-BVV-Delegierte, Felix Schönebeck, machte auch immer wieder darauf aufmerksam.

Ich stellte jetzt die Frage: Sind es die Wohnungseigentümer im stillen Einvernehmen mit dem Investor, die überhaupt kein Interesse an der Reparatur der Brücke haben? Hier können Sie meinen Bericht aus der letzten Woche noch einmal nachlesen, und auch die Luftaufnahme der Humboldt-Insel noch einmal anschauen.

Darauf meldete sich jetzt Bewohner der Insel und protestierten: Nicht sie seien schuld an dem unhaltbaren Zustand, sondern in erster Linie der Senat. In der Mail von Gerhard Heimbold heißt es unter anderem:

  • „Als Bewohner und Mitglied des Beirates der WEG Humboldtinsel 1-63 möchte ich Ihrer Darstellung bezüglich Mühlensteg Humboldtinsel entschieden widersprechen.
  • Bezgl. der Humboldtinsel gibt es keinen „Investor“. Hier handelt es sich schlicht um einen Bauträger, der sich momentan mit den Eigentümern im Abnahmeverfahren über das Gemeinschaftseigentum befindet. Wenn dieses in naher Zukunft abgeschlossen ist, hat der Bauträger als solcher mit der Humboldtinsel nichts mehr zu tun. Übrigens, er erfreut sich wegen verschiedener Vorkommnisse bei den Eigentümern zunehmender Unbeliebtheit, was wohl auf Gegenseitigkeit beruht. Warum sollte der also ein Interesse daran haben, dass wir angeblich nicht gestört werden ? Davon hat er nur Ärger aber keinerlei Rendite.
  • Die Humboldtinsel gehört nach Eigentumsübergang uneingeschränkt den Leuten, die nicht gestört werden wollen? Mitnichten, laut städtebaulichem Vertrag, in den die Eigentümer als Rechtsnachfolger des Bauträgers eintreten, liegen die Geh-, Leit- und Fahrrechte der Straße auf der Humboldtinsel bei der Stadt Berlin. Dass diese die Verkehrssicherungspflicht den Eigentümern zugeschoben hat (Reinigung, Schneeräumung, etc.), sei nur am Rande erwähnt. Der Zugang kann also von uns, wie auch immer, gar nicht eingeschränkt werden.
  • Die Humboldtinsel ist eine Sackgasse, der Aufgang zur Sechserbrücke ist nicht möglich. Warum ? Der Turm mit dem Treppenaufgang liegt außerhalb des Gemeinschaftseigentums unserer WEG und ist versperrt…. Warum ? Wenn Sie mal einen Fall für die Seuchenpolizei sehen wollen, dann empfehle ich Ihnen den persönlichen Augenschein. Er ist extrem verdreckt, seine Reinigung und Herrichtung wäre Sache der Stadt Berlin. Die hat übrigens auch als einzige die Schlüssel.
  • Die Bewohner der Humboldtinsel sind überwiegend Mittelständler älteren Kalibers. Sie hätten kein Interesse an der Wiedereröffnung des Mühlensteges, um ihre Ruhe zu haben ? Weit gefehlt, wir kämpfen seit Jahren um die Klärung der Verhältnisse und wünschen uns nichts sehnlicher, als dass diese in Ordnung gebracht werden. Zum Einkauf in der Karolinen-/Berliner Straße müssen wir den weiten Umweg um den gesamten „Medical Park“ in Kauf nehmen. Ein „island hopping“ via Mühlensteg und Tegeler Insel würde den Weg nach Alt-Tegel um eine Viertelstunde verkürzen und ihn ohne Gefährdung älterer Menschen durch den beträchtlichen Straßenverkehr möglich machen.
  • Die Probleme werden von Ihnen nur teilweise korrekt wiedergegeben…. In der Verantwortung von Bauträger/Eigentümer liegen die Beschädigung des Brückenfundamentes und die Erneuerung der Spundwand. Die für die Reparatur dieser beiden Gewerke benötigte Finanzierung ist gesichert: Einmal durch eine Schadensübernahmeerklärung der Haftpflichtversicherung des Schadensverursachers (Baufirma, Deckungssumme 1 Mio EUR) und durch einen vom Bauträger angebotenen Druck-Einbehalt durch die Eigentümer von mehr als 0,5 Mio EUR.
  • Ich zitiere Sie jetzt wörtlich, weil mich diese Aussage maßlos enttäuscht hat: „Diese Brücke zur Humboldtinsel, die ein Investor, so muss man vermuten, offenbar bewusst vergammeln lässt.“ Hierbei handelt es sich schlicht um eine unverschämte Lüge: Mit den vergammelten Bohlen der Brücke hat die Humboldtinsel ins keinster Weise etwas zu tun, die Brücke gehört nicht zu unserem Gemeinschaftseigentum. Die Brücke wieder herzurichten ist einzig und allein Aufgabe der Stadt Berlin.
  • In Anbetracht des letzten Punktes, wie wäre es mit folgender Interpretation der Verhältnisse (die für mich persönlich sehr einleuchtend ist): Die Stadt Berlin hat kein Geld. Was liegt näher, als durch die Senatsverwaltung den Druck auf die Eigentümer so zu erhöhen (Kolportage: „reiche Schnösel, die ihre Ruhe haben wollen“), bis diese sich bereit erklären, auch noch die Kosten für die Brücke selbst und den Ersatz der vergammelten Bohlen zu übernehmen…..
  • Ich werde von Eigentümern immer wieder aufgefordert, den Stand der Gespräche Bauträger/Senatsverwaltung zu hinterfragen. Nur, ich lande dabei immer wieder in einem Zirkelschluss: Die vom Bauträger beauftragte Bauleitung verweist mich an die Senatsverwaltung und die offiziellen Stellen verweisen mich an die Bauleitung. Vielleicht könnten Sie mir dabei helfen, einen kompetenten Ansprechpartner in der Senatsverwaltung zu finden. Das Bauamt Reinickendorf hat sich dabei als nicht sehr hilfreich erwiesen: „Jetzt wird geprüft und im Sommer wird gebaut“, mehr war von dort nicht zu erfahren.
  • Mit freundlichen Grüßen, Gerhard Heimbold, Humboldtinsel“

Persönliche Anmerkung: Ich habe immer wieder versucht, Licht in das Dunkel um die ruinierte Brücke zu bringen. Es war, als würde man mit einem Stock in einem dunklen Loch stochern – keine Reaktion. Jetzt bin ich für die klare Antwort von Gerhard Heimbold dankbar, der mich im übrigen zu einer Besichtigung und auf ein Bier eingeladen hat – danke für beides, die Insel kenne ich natürlich, aber auf das Bier freue ich mich, und wenn die Corona-Krise etwas beigelegt ist, komme ich auch. Im Moment hoffe ich, dass Felix Schönebeck mit seinen guten Verbindungen auch der Frage nachgeht, was der Bezirk tun könnte. Ich meinerseits werde die zuständige Senatsabteilung mit den Hinweisen von Gerhard Heimbold konfrontieren – wäre doch gelacht, wenn diese Brücke nicht wieder tragfähig wird. – Text: Gerd Appenzeller
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