Namen & Neues
Die gesperrte Brücke zur Humboldt-Insel
Veröffentlicht am 15.07.2020 von Gerd Appenzeller
Kennen Sie die Humboldt-Insel in Berlin? Sie liegt am Tegeler Hafen und ist seit einigen Jahren mit schönen Eigentumswohnungen bebaut. Brücken verbinden die Humboldt-Insel mit ihrer Umgebung. Eine davon ist seit Jahren unbenutzbar und verfällt. Das ist ärgerlich, weil damit eine wichtige und sichere Fußgängerverbindung zwischen dem Schlosspark und dem Zentrum Tegels mit seinen Schulen unterbrochen ist. Zum Skandal aber wird der langsame Verfall der Brücke, weil es offenbar dem für die Sanierung verantwortlichen Unternehmen in einem klassischen Fall von Berliner Behördenpingpong gelingt, die notwendigen Arbeiten immer weiter herauszuschieben. Jetzt aber gibt es ein Signal der Hoffnung.
Aber erst einmal ein Blick zurück. Die nachfolgende Pressemeldung stammt vom 18. Juni 2019, ist also etwas mehr als ein Jahr alt. Lesen Sie sie bitte trotzdem, denn dieser Text dokumentiert einen Skandal, der langsam ein Fall für die Justiz geworden ist. Auch wenn es sich nur um einen Fall von Behördenpingpong handeln sollte, also von organisierter Verantwortungsverweigerung, wäre es nicht weniger schlimm. Hier also die Meldung:
- „Erneute Verzögerung: Fußgängerbrücke an der Mühle in Tegel bleibt gesperrt.
- Die Fußgängerbrücke an der Mühle in Tegel, die das Schlossviertel entlang der Gabrielenstraße und den Park hinter der Humboldt-Bibliothek verbindet, sollte eigentlich ab diesem Sommer wieder für Fußgänger nutzbar sein. Dies hatten Gespräche von Felix Schönebeck, dem Vereinsvorsitzender von I love Tegel e.V., mit der zuständigen Senatsverwaltung im vergangenen Jahr (also 2018, Anmerkung der Redaktion) ergeben.
- Nun ist zwar der Sommer da, die Brücke ist aber noch immer gesperrt – und wird es bis auf weiteres bleiben.
- Bei den Bauarbeiten auf der Humboldt-Insel wurden die Spundwand der Insel und das Widerlager der Brücke derart beschädigt, dass diese für den Fußgängerverkehr gesperrt werden musste.
- Die zuständige Behörde hatte damals den Investor aufgefordert eine Instandsetzung vorzunehmen und durch ihn eine Sicherheit hinterlegen lassen. Seitdem ist einiges an Zeit vergangen. Als sich im Juni noch immer nichts tat, fragte Schönebeck nach. Seine Gespräche ergaben, dass es in diesem Jahr wieder nichts wird.
- Im November 2018 wurde vom Investor eine erste Entwurfsplanung vorgelegt. Diese war jedoch unzureichend. Im April dieses Jahres wurde eine korrigierte Version vorgelegt, die wiederum nicht genehmigt werden konnte. Im Anschluss daran haben sich Senat, Investor, Planer und ausführende Baufirma darauf verständigt, dass bis Ende August eine erweiterte Entwurfsplanung vorlegt werden soll. Diese muss dann erneut geprüft werden. Dafür sind mindestens sechs Wochen angesetzt. Auf Grundlage der erweiterten Entwurfsplanung wird dann eine Ausführungsplanung vorgenommen. Erst dann kann die mehrere Monate dauernde Bauphase gestartet werden. Der erneute Verzug sorgt bei Anwohnern und Schönebeck gleichermaßen für Unmut.
- „Seit Jahren ist die Fußgängerbrücke gesperrt und schon wieder gibt es erhebliche Verzögerungen bei der Instandsetzung. Es vergeht keine Woche, in der ich nicht von Anwohnern mit diesem Thema konfrontiert werde. Die Brücke ist nicht nur eine kurze Verbindung zwischen Alt-Tegel, dem Schloßviertel und der Malche, sondern auch ein sicherer Schulweg für Kinder. Dem Investor scheint das alles egal zu sein. Im Gegenteil: es drängt sich langsam der Verdacht auf, dass man mit dieser Verzögerungstaktik die Menschen von der Insel fern halten will. Ich bin sehr verärgert darüber und fordere alle Akteure auf, jetzt mal etwas Gas in dieser Sache zu geben“, so Felix Schönebeck. Selbst wenn von nun an alles optimal verläuft und die geplante Verfahrensweise eingehalten würde, ist eine Nutzung der Fußgängerbrücke frühestens zu Beginn des neuen Jahres wahrscheinlich. Abhängig von der Witterung im Winter erscheint aber auch eine Öffnung erst im Frühjahr 2020 als möglich.“
Ende der ein Jahr alten Pressemeldung. Felix Schönebeck schrieb mir heute nur kurz: „Alles, was das Thema ins Rollen bringt, ist hilfreich…“ Und falls Sie nicht genau wissen, wo die Humboldt-Insel liegt, hier ist ein Luftbild. Rechts im Bild ist die immer noch gesperrte Brücke zu erkennen. Und hier zeige ich Ihnen die Fotos in Nahaufnahme.
Aber jetzt kam, heute Vormittag, ein Signal der Hoffnung. Bürgermeister Frank Balzer, CDU, sandte es aus. Wenn es gut läuft, steht die neue Brücke zur Humboldt-Insel noch in diesem Jahr. Die Senatsverwaltung für Bauen um Katrin Lompscher, Linke, habe die eingereichten Pläne des Bauunternehmens geprüft und für gut befunden, im September wird die Firma mit dem Neubau der Brücke beginnen, und der soll bis Dezember fertig sein, wenn das Wetter mitspielt. Da in unseren Breiten kaum mit harten Wintern im Dezember zu rechnen ist, könnte als der Weihnachtsmann vom Tegeler Schloss, aus dem Wald kommend, schon über die neue Brücke nach Alt-Tegel kommen. Frank Balzer freute sich, die gute Nachricht überbringen zu können, aber er ärgert sich auch: Die Leute denken, die Verzögerung liege am Bezirk. Aber wir sind wirklich absolut unschuldig in dieser Geschichte. – Text: Gerd Appenzeller
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