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Die Tagesspiegel-Debatte über die Heinsestraße

Veröffentlicht am 29.07.2020 von Gerd Appenzeller

Die Tagesspiegel-Debatte über die Heinsestraße. Sie ist eine der beliebtesten Einkaufsstraßen im Norden, und nicht nur für Frohnauer und Hermsdorfer der Ort, am dem man fast alle Besorgungen erledigen kann. Aber leider ist die Heinsestraße auch zur – vor allem morgens und am Nachmittag – überlasteten Durchgangsstraße für motorisierte Pendler geworden: Tatsächlich spürt man jeden Tag, dass diese relativ schmale, gepflasterte Verbindung zwischen Hermsdorfer Damm und Schulzendorfer Straße nicht alle Funktionen erfüllen kann, ohne dass es zu Kollisionen zwischen den verschiedenen Nutzern kommt. Meistens sind die nur verbal, aber manchmal kracht es eben auch. Was also tun? Eine Einbahnstraße einrichten? Eine Fußgängerzone? Leserinnen und Leser des Newsletters diskutieren die verschiedenen Optionen – hier der erste Teil der Debatte aus der letzten Woche. Jürgen Ritter machte die aktuellen Fotos. Und ich zeige Ihnen weitere und gekürzte Beiträge zur Debatte:

Die Heinsestraße als Fußgängerzone fordert Leser Günter Gunkel. „Die Frage ist doch, wem nützt die uneingeschränkte Befahrung der Heinsestraße? Den Pendlern bei der Umfahrung der B96 und den Autofahrern, die einen der Parkplätze ergattert haben, um einzukaufen. Was ändert aber eine Fußgängerzone? Die Abgas- und Lärmemissionen sinken deutlich, die Verkehrssicherheit der Fußgänger und Radfahrer wird stark erhöht, der urbane Raum wird aufgewertet und erhält neue Entwicklungschancen (Straßengrün, Straßencafés, Ruhezonen mit Bänken usw.). Bisher haben die Erfahrungen der Einrichtung von Fußgängerzonen immer gezeigt, dass die Anwohner und Gäste diese annehmen und zum Flanieren und Shoppen kommen. Die Heinsestraße ist verkehrstechnisch hervorragend erschlossen, und der Lieferverkehr kann z. B. in den Vormittagsstunden erfolgen… Der Mut zur Veränderung sollte endlich vorhanden sein – eine Fußgängerzone ist von Vorteil für alle“.

Schon 1992 gab es eine Demo für eine Fußgängerzone. Leser Uwe Klages argumentiert: „Beim Thema „Fußgängerzone Heinsestraße?“ erinnere ich mich gerne daran, dass an einem Samstag im April 1992 die Jusos (ja, die gab es damals, meine Kinder waren engagierte Mitglieder) auf der Heinsestraße für eine Fußgängerzone demonstrierten. Die Situation war gefühlt schon vor 30 Jahren nicht besser als heute, geändert hat sich trotzdem nichts, auch nicht an den Argumenten. Man sollte sich endlich dazu durchringen, die Heinsestraße zwischen Fellbacher Platz und Schramberger Straße komplett für den Autoverkehr zu sperren. Die meisten Einkäufe auf diesem Stück lassen sich auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad ohne größere Einschränkungen erledigen… Mit ein wenig gutem Willen ließen sich für die Anwohner und den Lieferverkehr Lösungen finden“.

Größer denken! Leserin Petra Klotz möchte die Ulmenstraße auf der anderen Seite des Bahndammes in eine Lösung einbeziehen. Sie schreibt: „Es braucht sowohl Raum für Lieferverkehr als auch für Kunden und Anwohner. Mir persönlich wichtig ist auch freie Fahrt für die Feuerwehr und andere Rettungsdienste … Es sollten keine Parkplätze wegfallen. Ich unterstütze eine Einbahnstraßenregelung vom Fellbacher Platz bis und in Richtung Hermsdorfer Damm (also in Fahrtrichtung der Einsätze der Feuerwehr). Als Ausgleich könnte man überlegen ob auf der anderen S-Bahnseite (Glienicker Straße, Ulmenstraße) in entgegengesetzter Richtung eine Einbahnstraßenregelung Sinn macht. Das könnte auch den Neubauten dort gerecht werden. Und könnte vor Rewe bis zur Wachsmuthstraße mehr Sicherheit bringen. Zum Lieferverkehr habe ich keine wirklich guten Lösungsansätze. Wichtig wäre, dass die Anwohner nicht wie beim neuen Rewe am S-Bahnhof Frohnau morgens zwischen 4 und 5.30 Uhr (im Winter mit laufendem Motor) geweckt und wachgehalten werden. Dennoch wäre es natürlich schön, wenn es ein Zeitfenster für den Lieferverkehr gäbe…“

SPD fordert Tempo 20. Namens der Hermsdorfer SPD melden sich Angela Budweg und Horst Mentz, sie schreiben: „Seit vielen Jahren beobachten wir den zunehmenden und teilweise aggressiven Verkehr in der Heinsestraße. Auch innerhalb der SPD Hermsdorf haben wir das Thema „Heinsestraße“ häufig diskutiert und beraten. Natürlich hat die Heinsestraße einen großen Anteil an Durchgangsverkehr, sie ist als Einkaufsstraße aber auch Auslöser von Zielverkehr. Jüngste Attraktion ist der freitägliche Wochenmarkt. In einem Ortsteil am Stadtrand sind die Entfernungen zum nächsten Nahversorger eben nicht immer fußläufig erreichbar. Wenn wir die Heinsestraße als Ortsteilzentrum nicht schwächen wollen, darf der Kfz-Verkehr nicht unbeachtet bleiben. Im Ergebnis schlagen wir daher die Ausweisung eines sogenannten „Verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs“ und eine Reduzierung auf Tempo 20 vor“. Einen entsprechenden Antrag werden wir in die SPD-Fraktion einbringen“.

Absolut gegen eine Fußgängerzone ist Leserin Elke Duße. Das sind ihre Argumente: „Mein Mann und ich genießen die breiten Gehwege und freuen uns über die Möglichkeit, alle Besorgungen des Alltags dort erledigen zu können. Ich gebe zu, auf den ersten Blick war die Vorstellung einer Fußgängerzone verlockend. Dann fielen uns immer mehr Argumente ein, die dagegen sprechen. Wie sollen wir Pakete zur Post bringen oder abholen, wenn wir nicht mit dem Auto dorthin können. Wie sollen wir größere Einkäufe dort erledigen, wenn wir nicht in der Nähe parken können. In Hermsdorf wohnen besonders viele alte Leute. Wie sollen alte, vielleicht sogar gebrechliche Menschen noch zu ihren Ärzten kommen, wenn Autos dort nicht hinfahren dürfen? Nein, eine Fußgängerzone in der Heinsestraße ist absolut keine gute Idee!!! Der Vorschlag, die Heinsestraße zur Einbahnstraße zu erklären, könnte dagegen überlegenswert sein“.

Mehr gegenseitige Rücksichtnahme hält Leserin Elvira Wirjadi für eine gute Idee, um Spannungen abzubauen. Sie schreibt: „In der Heinsestraße gilt Tempo 30 und dank des Parkplatzsuchverkehrs ist es meist noch langsamer. Deshalb gibt es auch oft genervte Autofahrer. Mir fällt auf, dass der überwiegende Teil der Hermsdorfer Fahrradfahrer sich rücksichtsvoll auf den Gehwegen bewegt. Schnelle und korrekte Radler bleiben eh schon auf der Straße. Eine Fußgängerzone würde das quirlige Leben, das zumindest Freitags und Samstags hier herrscht, veröden lassen. Lasst es uns weiter zusammen versuchen“.

Besser ist eine Einbahnstraße! Als Radfahrerin kennt Leserin Christa Jung die geschilderten Probleme in der Heinsestraße nur zu gut. Eine weitere Verkehrsberuhigung würde sie deshalb begrüßen und schlägt außerdem vor, die Heinsestraße als Einbahnstraße für Autofahrer auszuweisen. „Für Radfahrer sollte es jedoch möglich sein, die Straße in beiden Richtungen zu befahren. Ein breiter Fahrradweg auf der Straße wäre optimal. Den Fußgängern sollte man ihren Raum nicht nehmen. Halte- und Parkmöglichkeiten sollte es nur an einer Straßenseite geben. Ein weiterer Fußgängerüberweg in Höhe des S-Bahnausgangs Max Beckmann Platz könnte den Autoverkehr weiter ausbremsen.“ – Text: Gerd Appenzeller
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