Namen & Neues
Flughafensee: Badeplatz, Naturschutz oder Lärm und Müll
Veröffentlicht am 03.02.2021 von Gerd Appenzeller
Im Norden Berlins gibt es zu wenig Frei- oder Strandbäder. Auch wenn in diesem Jahr endlich wieder dank einer privaten Initiative das Bad am Tegeler See eröffnen wird, fehlen Badeplätze.
Die Familien aus dem Märkischen Viertel fahren bis zum Rahmer See in er Nähe von Wandlitz, wenn das Bad in Lübars zu voll wird. Der Flughafensee ist unter dem zunehmenden Druck der Erholungsuchenden in den letzten Jahren zu einer Art von Ersatzbad geworden. Zwar gibt es dort keine DLRG, aber die herrlichen Sandstrände locken dennoch.
Das ginge ja irgendwie gut, wenn da nicht die Vermüllung wäre, die nächtlichen Saufereien und die unzureichenden Sanitäranlagen. Vor allem an den Wochenenden stauen sich die Autos der Badelustigen in den schmalen Straßen der Siedlung „Waldidyll“ südlich der Bernauer Straße oder auf den Zufahrten von der Seidelstraße.
Nach der Schließung des Flughafens Tegel hat deshalb die Debatte über die künftige Nutzung des Flughafensees Fahrt aufgenommen. Falls Sie sich in der Gegend nicht auskennen, schauen Sie einfach mal auf diese Luftaufnahme und Sie werden die verschiedenen Begehrlichkeiten verstehen.
Die CDU-Abgeordnete Emine Demirbüken-Wegner, in deren Wahlkreis die Siedlung „Waldidyll“ liegt, hat nach eigenen Angaben ein Vierteljahr lang eine Bürgerumfrage in diesem Gebiet gemacht, und wertet das Ergebnis jetzt so:
„In der Anwohnerschaft der am … Flughafensee angrenzenden Ein- und Mehrfamilienhaussiedlung ‚Waldidyll‘ ist man offensichtlich überwiegend der Meinung, dass der weitere Betrieb der Badestelle am See zumindest mittelfristig aufgegeben werden sollte.
Beklagt werden Lärm- und Vermüllungseffekte in den warmen Monaten des Jahres. Zudem wird von Anwohnerbelästigungen und Verbalattacken berichtet. Weiterhin beschwerten sich die Grundstückseigentümer und Mieter über teilweise unpassierbare Straßen, zugeparkte Einfahrten und menschliche ‚Hinterlassenschaften‘ links und rechts der Zuwegungen zum See …
Die Zuständigkeiten liegen fast ausschließlich beim Bezirk Reinickendorf. So muss dieser gemäß dem ‚Allgemeinen Zuständigkeitsgesetz‘ für Ruhe und Ordnung sorgen … Laut Polizeistatistik sind in den letzten drei Jahren Einsatzkräfte zwischen 30 und 40 Mal pro Jahr am Flughafensee und dessen Umgebung gewesen. Auch das bezirkliche Ordnungsamt ist an den Sommerwochenenden regelmäßig im Streifendienst. Polizei und OA wurden 2020 sogar mittels Hubschraubereinsatz unterstützt …
Ich sehe es als eine Hauptaufgabe der Entscheider in Land und Bezirk, … sich auch hier von alten Westberliner Nutzungskonzepten zu verabschieden. Wir sind nicht mehr eingemauert und wir könnten beispielsweise mit der Idee eines Kombi- Bades auf dem alten TXL-Gelände einen mehr als vollwertigen Ersatz schaffen“.
Bekannt ist, dass das CDU-BVV-Mitglied Felix Schönebeck eine Initiative unterstützt, das ganze Areal unter Naturschutz stellen zu lassen. AfD-Ordnungsstadtrat Sebastian Maack hat meiner Kollegin Susanne Kollmann von der „Berliner Morgenpost“ gesagt, er könne sich vorstellen, den Flughafensee zu einem kostenpflichtigen Freibad auszubauen. Nachts könne das Bad schließen, so dass es dann „keine schlafraubenden Technopartys mehr“ geben könne.