Namen & Neues

In Tegel herrscht Ruhe? Denkste! Jetzt knattern die Kleinen

Veröffentlicht am 10.03.2021 von Gerd Appenzeller

Die einen fanden es furchtbar, die anderen ganz toll: Seit im vergangenen November der letzte Flieger vom Flughafen Tegel abgeflogen ist, herrscht auf den beiden Start- und Landebahnen Ruhe. Das einzige, was man hört, sind vereinzelte Skater und das Schreien der Möwen, die sich wundern, dass ihnen niemand mehr ein paar Brocken zuwirft.

Aber am Himmel über TXL, da herrscht alles andere als Ruhe. Vor allem an den Wochenenden und bei schönem Wetter überfliegen kleine Sportflugzeuge den ehemaligen Flughafen und die Umgebung im Norden Berlins. Besonders beliebt scheinen die Strecken Richtung Havel und Tegeler See zu sein, sowie nach Pankow. Das nervt, stöhnen manche Anwohner – hatten sie doch gedacht, wenn die lärmenden Düsenflieger mal verbannt sind, würde überall eine Idylle einkehren.

Bereits im November schrieben Martina und Peter Brestrich aus Tegel-Süd, sie hätten den bisherigen Geräuschpegel des Flughafens TXL akzeptiert, schließlich seien sie freiwillig in die Nähe des Flughafens gezogen. Jetzt aber kurvten kleine Propellerflugzeuge im 20- bis 30-Minuten-Turnus in relativ geringer Höhe über den Tegeler See. Und die Familie Thalheim/Bannert stellt irritiert fest: „Es wäre ja schon kurios, wenn die Lärmbelästigung hier im Norden zwar durch den Wegfall der Passagierflüge der Fluglinien entfallen ist, aber der Krach durch private Kleinflugzeuge zunehmen sollte“.

Deutlich mehr Beschwerden erreichten meinen Kollegen Christian Hönicke, der den benachbarten Newsletter für Pankow betreut. Der fragte, schneller als ich, bei offiziellen Stellen nach, ob „die“ das denn dürfen, einfach so am Himmel über Tegel, Pankow und dem Norden Berlins herumfliegen. Die Antwort: Ja, die dürfen.

Der Sprecher der Deutschen Flugsicherung, DFS, Stefan Jaekel, erklärte auf die entsprechende Anfrage: „Darauf haben wir bereits vor der Schließung von Tegel hingewiesen: Es wird auch weiterhin Flugverkehr geben“. Zwar seien die großen Flugzeuge nach der Schließung von Tegel nicht mehr so zahlreich unterwegs, aber dafür mehr kleinere.

Die Benutzung des Luftraumes sei nämlich grundsätzlich frei für alle Piloten, es gebe zwei Arten von Lufträumen: Beim kontrollierten Luftraum geben die DFS-Lotsen Anweisungen, die befolgt werden müssen. Lange Zeit sei praktisch ganz Berlin ein kontrollierter Luftraum gewesen. Seit aber Tegel kein Flughafen mehr ist, sei nur noch ein kleiner Bereich im Südosten Berlins um den BER herum kontrollierter Luftraum. Außerdem dürften Piloten weder in das Regierungsviertel rund um den Reichstag einfliegen noch in die Zone um den Forschungsreaktor Wannsee. Flugzeuge, die das missachteten, müssten mit einem „Besuch“ von Militärflugzeugen rechnen.