Talk of the Kiez

Veröffentlicht am 11.10.2017

Manchmal ist Politik, obwohl im Prinzip eine ernste Sache, auch ein bisschen wie ein Kinderspiel. Der eine ärgert den anderen, provoziert im Idealfall auf humorvolle Weise, und wenn die Zielperson die verbale Spitze mit einem Lächeln pariert, dann – ja, dann kann es sogar lehrreich sein. Um so einen Fall geht es hier. Knapp vor der Bundestagswahl bepflanzten die Grünen in der Tegeler Brunowstraße vor dem „Grünen Fuchs“ eine Baumscheibe, und die Bundestagskandidatin, Stefanie Remlinger, sagte dazu für die entsprechende Pressemitteilung diesen Satz: „Wenn Anwohner sich der Baumscheiben annehmen, dann sieht gleich alles viel schöner aus. Und die Bienen freuen sich auch.“ Ihr Parteifreund, der Ex-Bezirksverordnete Heiner von Marschall, garnierte die Aktion so: „Im CDU-Bezirksamt herrscht vor allem Angst, dass Autos sich weh tun könnten. Deshalb wurden Baumscheiben-Bepflanzungen stark reglementiert und eingeschränkt“.

Stimmt das? Ich schickte die grüne Mitteilung an die zuständige Bezirksstadträtin Katrin Schultze-Berndt und fragte sie: Wie halten Sie’s denn mit den Baumscheiben? Das war ihre Antwort: „Wir, der Gartenbaubereich ebenso wie ich, stehen derartigen Verschönerungsaktionen aufgeschlossen gegenüber. Unser Augenmerk gilt dabei einem umsichtigen Umgang mit dem Wurzelwerk der Bäume, das beim Auskoffern leicht Schaden nehmen kann. Das Grünflächenamt steht deshalb auf Anfrage auch gern hilfreich beratend zur Seite. Auch Einfriedungen können Stolperquellen sein, die es zu vermeiden gilt. Es gibt zum Thema auch ein Merkblatt der Senatsumweltverwaltung“.

Halten wir also fest: Anders als in Prenzlauer Berg, wo menschliche Planierraupen die Baumscheiben platt machen, sind sie in Reinickendorf gerne gesehen. Ich füge persönlich gerne hinzu: Und es gibt viel zu wenig davon. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser dieses Newsletters, auch eigene Erfahrungen mit der Bepflanzung von Baumscheiben haben, gute oder schlechte, melden Sie sich bitte per Mail. Ich berichte gerne darüber, Bilder sind willkommen.