Kiezgespräch

Veröffentlicht am 29.07.2020 von Gerd Appenzeller

Ärger um Techno-Boote und extrem laute Motorboote auf der Havel. Was ist los auf den Berliner Wasserwegen? Tyrannisieren die Führer von großen Motoryachten und Speedboten die Anlieger an Havel und Tegeler See? Gibt es jetzt auf dem Wasser die gleichen Lärmschikanen wie durch Motorräder auf Bergstrecken? Dieser Frage ging mein Kollege André Görke nach. Er betreut den Spandau-Newsletter des Tagesspiegels, also den Nachbarn des Reinickendorf-Newsletters. Bei ihm gingen in den letzten Tagen so viele Beschwerden von Anwohnern der Havel ein wie seit Jahren nicht – das Problem habe in diesem Sommer enorm zugenommen. Anwohner, Segler, Ruderer, Wassersportvereine sind genervt von extrem lauten Yachten und Techno-Hausbooten bis tief in die Nacht. Hier hat er darüber berichtet. Und die Wasserschutzpolizei will sich nächstes Mal noch mal ausführlicher bei ihm im Newsletter melden, denn Kenner klagen: „An der Oberhavel gibt es eine Wache der Wasserschutzpolizei – im Süden, am Wannsee, nicht mehr. Das wissen die Raser.“

Ein Einzelfall? Nein. Probleme mit Lärm und Rasern gibt es auch auf der anderen Seite der Havel – in Wannsee. Mein Kollege Boris Buchholz hat im Tagesspiegel-Newsletter für Steglitz-Zehlendorf ebenfalls nachgefragt, und auch er erhielt Briefe. Leser, DLRG und Polizei berichten dort auch von zunehmend aggressiven Fahrern auf Jet-Ski – und morgen will er weiter darüber im neuen Newsletter berichten.

Nervt das auch die Reinickendorfer so, fragte ich am letzten Mittwoch – immerhin grenzt ja auch unser schöner Bezirk an diesen Fluss. Die Antworten kamen nicht so einheitlich, das Bild ist durchaus differenziert.

Bernd Kiellack teilt den Ärger der Nachbarn auf der anderen Havelseite, er schreibt: „Da ich mich gerne am und im Tegeler See und der Havel aufhalte, kann ich die Erfahrungen aus Spandau nur bestätigen. Setzen Sie sich doch mal am Wochenende dorthin, wo Tegeler See und Havel aufeinandertreffen (z.B.neben dem Grundstück Tegelorter Ufer 36). Sie werden es angesichts der Motorengeräusche dort nicht lange aushalten. Gleiches gilt für Wohnungen oder Grundstücke längst der Havel. Auch hier ist das Gebrumme der Motoren nicht sehr erfreulich.

Festzustellen ist auch, dass die Boote immer größer werden, und durch eine Vielzahl von Bootsstegen und Liegeplätzen die Gewässer immer mehr in Anspruch genommen werden. Dies leider auch am Uferweg, der eigentlich dazu bestimmt ist, der Bevölkerung Zugang zur Havel einzuräumen und nicht als großer Anlegeplatz herhalten sollte.

Während man an Land versucht, die Belastung der Umwelt durch von fossilen Brennstoffen angetriebene Fahrzeugen zu minimieren, kann davon auf den Gewässern keine Rede sein. Motorboote sollten abgeschafft oder ihre Nutzung als erster Schritt wie in früheren Zeiten zumindest zeitlich eingeschränkt werden. Es verwundert, dass sich die Grünen dieses Themas nicht längst schon angenommen haben“

Deutlich entspannter sieht Christian Biadacz das Thema. Er schriebt: „Sie fragten, ob es auch ein Lärmproblem am Tegeler See gäbe. Ich kann hauptsächlich von Tivoli-Strand bis Arbeiterstrand berichten. Ich liege da seit Jahren gerne am Wasser, wenn es das Wetter erlaubt, und würde sagen, dass sich der Wasserverkehr nicht großartig vermehrt hat. Am Abend vor allem am Wochenende fahren die Schlagerparty-Dampfer vorbei, die man durchaus hört – aber das war schon immer so. Es gibt einige junge Motorbootfahrer, die gerne richtig Gas geben. Ich denke, das sind mehr geworden. Aber dramatisch ist es nicht. Wenn sich etwas im Sommerbild verändert hat, dann vor allem die hohe Anzahl an Stand-Up-Paddlern“.

PS: Es gab weitere Zuschriften mit Kritik am zunehmenden Motorbootverkehr. Die Verfasser wollten jedoch anonym bleiben. So etwas zu veröffentlichen, hätte ich für unseriös gehalten. Ich habe die Absender auf das Problem aufmerksam gemacht – ohne Reaktion. – Text: Gerd Appenzeller
+++
Dieser Text
stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Reinickendorf. Die Newsletter für die 12 Berliner Bezirke gibt es für Sie kostenlos und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de
+++
Themen
im aktuellen Reinickendorf-Newsletter

  • Corona-Krise: Schullandheim Heiligensee vor dem Aus
  • So wird der Hermsdorfer See entschlammt
  • Wochenmarkt am S-Bahnhof Frohnau: Händler fordern Klarheit
  • Radwege: Grüne werfen Bezirksamt Verschlafenheit vor
  • Campus Hannah Höch: Wer stiftet da Unfrieden im Märkischen Viertel?
  • Krach an der Havel: Ihre Leserbriefe
  • „Tempo 20?“ Tagesspiegel-Debatte zur Einkaufsstraße in Hermsdorf
  • So soll der neue Franz-Neumann-Platz aussehen
  • Eisdiele, Pferde – aber kein Fußgängerüberweg in Lübars
  • …und noch mehr konkrete Bezirksnachrichten, Leserdebatten, Termine und Tipps immer in unseren Tagesspiegel-Newslettern aus Berlins 12 Bezirken. In voller Länge hier: leute.tagesspiegel.de