Kiezgespräch

Veröffentlicht am 22.09.2021 von André Görke

Aber nicht mit unserer Kirche! Ute Sauerbrey, die Pfarrerin von Lübars, hat den nachfolgenden Text an die Newsletter-Redaktion geschickt. Er soll diese letzte Ausgabe des Newsletters vor dem Wahlsonntag abschließen.

„Ich fahre die Quickborner Straße hinunter, die vielen Wahlplakate am Straßenrand rauschen vorbei. Aus dem Augenwinkel sehe ich eine vertraute Kontur: Das Bild „meiner“, der Lübarser Dorfkirche.

Das ist die Kirche, in der ich seit 12 Jahren fast jeden Sonntag predige. Ich mag diese Kirche und ihr Bild löst bei mir ein gutes Gefühl aus – es hat mit Sonntag, Feiern, Heimat, Musik und Kerzen zu tun. Und das geht ganz bestimmt nicht nur mir so. Beim zweiten Blick erkenne ich: „Meine“ Dorfkirche ziert ein Wahlplakat der AfD.

Nun ist die Dorfkirche Lübars ein öffentliches Gebäude. Man darf ihr Foto ungefragt auf Wahlplakate drucken. Ich frage mich nur:

Warum tut die AfD sich das an? Denn in der Dorfkirche Lübars versammelt sich eine Gemeinde, der das Jahr 2015 Anstoß zu einem anhaltenden Engagement für geflüchtete Menschen war: Drei Wohnungen vermieten wir an geflüchtete Familien. Anderen Geflüchteten haben wir durch intensive Begleitung bis in die Härtefall-Kommission des Innensenators zum Bleiben in dieser Stadt verholfen.

Wir gehören zu einer Landeskirche, die zwar nicht das Gender-Sternchen eingeführt hat, das die AfD zum Mond schießen möchte, die sich aber zu geschlechtergerechter Sprache bekannt hat in allem, was gedruckt, gesendet oder gepredigt wird. Dieselbe Kirche engagiert sich in der Seenot-Rettung, unterhält Kirchen-Asyle, hat einen Fahrplan für Klimaneutralität, traut gleichgeschlechtliche Paare und tut auch sonst vieles, was die AfD wohl als „Pakt mit dem Zeitgeist“ bezeichnen würde (Zitat aus dem Kirchen-Papier der thüringischen AfD).

Kurzum: Liebe AfD, du warst schlecht beraten, mit dem Bild der Lübarser Dorfkirche Wahlkampf zu machen. Und in diesem Sinne soll es mir recht sein! Pfarrerin Ute Sauerbrey.“