Nachbarschaft

Veröffentlicht am 10.07.2019 von Gerd Appenzeller

Jonas-Philipp Dallmann, Schriftsteller, Architekt

Als Architekt bewundert der Mann, um den es hier geht, die Arbeiten des großen Realisten und Neuerers der Wohnbauten in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, Bruno Taut. In der Hufeisensiedlung, der Freien Scholle und Onkel Toms Hütte finden wir bis heute seine Spuren. Der Schriftsteller, der dieser Architekt auch ist, liebt versponnene Erzählwege, bizarre Figuren, denen er Namen wie Stümper, Andernacht oder Dünkel gibt. Sie bewegen sich in surrealen Nebenwelten. Welten aber, die die Literaturkritik faszinieren, und deshalb ist Jonas-Philipp Dallmann nicht nur zweifacher Alfred-Döblin-Stipendiat, sondern jetzt sogar mit einem Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet worden. Dallmann ist Jahrgang 1969, er studierte an der Berliner UdK Architektur und war nach seinem Abschluss als Diplom-Ingenieur freier Mitarbeiter von Architektur- und Ingenieurbüros. 2001 begann er mit der Veröffentlichung von Erzählungen und Kurzprosa, 2004 erhielt er den MDR-Literaturpreis, 2011 erschien sein Romandebüt unter dem Titel „Notschek“ im Wiener Luftschacht Verlag.

In dem jungen Berliner VHV-Verlag erschien gerade im Juni der Erzählband “Die milchfarbene Haut der Türen“. Jonas-Philipp Dallmann – man wüsste gerne, was die Eltern mit dieser Vornamenkombination assoziierten – wuchs in der Freien Scholle in Reinickendorf auf. Seine ganze Familie lebt dort, er selber auch, in einer denkmalgeschützten Wohnung, erbaut von Bruno Taut. Er ist geschieden und kinderlos – die Bücher sind seine Kinder, sozusagen, sagt seine Verlegerin, Victoria Hohmann-Vierheller.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: gerd.appenzeller@tagesspiegel.de

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