Nachbarschaft

Veröffentlicht am 23.10.2019 von Gerd Appenzeller

Michael Ortmann, Hermsdorf, Waldseeviertel.

Der Professor für Mathematik an der Beuth-Hochschule für Technik ist alles andere als ein Volkstribun, und politischen Ehrgeiz habe er auch nicht, versicherte er mir. Seit 2017 wohnt er mit seiner Familie im Hermsdorfer Waldseeviertel, und die Bürgerinitiative gegen den Verkehrszuwachs in diesem Wohngebiet gab es schon Jahre zuvor. Über die ersten Proteste der Hermsdorfer gegen die morgendliche und abendliche blecherne Pendlerlawine aus und nach Glienicke hat die damalige (nicht täglich erscheinende) Zeitung „Der Nordberliner“ schon vor 20 Jahren berichtet. Die Straßen im Waldsee-Viertel sind keine Durchgangsstraßen, sondern die typischen kleinformatigen Zuwegungen eines Wohngebietes, das vorwiegend aus Ein- oder Zweifamilienhäusern besteht. Das Waldsee-Viertel ist – Kritiker der Bürgerinitiative behaupten das fälschlicherweise – kein Bonzenviertel, dessen Bewohner ihre Ruhe haben wollen. Insoweit ist es typisch für Berliner Randgebiete zu Brandenburg hin, die topografisch bedingt plötzlich Durchgangsviertel für viel Verkehr werden.

Michael Ortmann fiel ziemlich schnell auf, nachdem er in dieses Wohngebiet gezogen war, wie sehr die Menschen unter dem Verkehr leiden. Als Mathematiker arbeitete er sich nach eigenen Angaben in die Verkehrstechnik ein, über ein erstes Gutachten als Ergebnis einer Verkehrszählung hatte ich im Newsletter am 17. Oktober 2018 berichtet. Nun liegt ein zweites vor, ein ausführlicher Bericht steht weiter unten in der Newsletter-Rubrik „Namen & Neues“. Was Michael Ortmann nach meinem persönlichen Eindruck nicht will: den Eindruck erwecken, die Bürgerinitiative wolle irgendwelche Sonderrechte erkämpfen – selbstverständlich seien die Straßen des Waldseeviertels Teil des öffentlichen Straßennetzes. Es ginge nur darum, dass die Politik Probleme vor Ort erkennt und sich zu Lösungen durchringt und die Betroffenen nicht wie Querulanten behandelt werden.- Text: Gerd Appenzeller

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Zum Newsletter-Autor: Gerd Appenzeller, geborener Berliner, ist seit 24 Jahren Mitglied der Tagesspiegel-Redaktion, war Chefredakteur und Herausgeber. Als er 1994 mit seiner Familie in die alte Heimat zurückkam, zog er nach Hermsdorf, denn dort hat er auch seine Kindheit verbracht und dort leben auch sein Bruder und dessen Frau. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an gerd.appenzeller@tagesspiegel.de