Nachbarschaft

Veröffentlicht am 11.12.2019 von Gerd Appenzeller

Große Sorge um die Jugendfarm in Berlin-Lübars. Links steht Helmut Wegner, daneben der Reinickendorfer Bezirksstadtrat Tobias Dollase (parteilos, für CDU). Wie die Ziege heißt, weiß ich leider nicht.

Wird es in der Jugendfarm in Lübars, in der Alten Fasanerie, bald keine Tiere mehr geben? Diese Sorge treibt viele Menschen um, seit der Betreiber der Jugendfarm, das Elisabethstift, in einer Spendenaktion seine Notlage geschildert hat. Gebraucht werden für das nächste Jahr 170.000 Euro, um Ernährung, Bestandspflege und Unterkunft der vielen Tiere zu sichern. Wie ist die Notlage entstanden? Helmut Wegner, Geschäftsführer des Elisabethstift, hat mir die Lage geschildert.

Traditionelle Aufgabe des 1826 gegründeten Elisabethstiftes ist die Sorge für Waisenkinder und für alle Mädchen und Jungen, die aus den verschiedensten Gründen nicht bei ihren Eltern bleiben könne. Vor Jahren hat Helmut Wegner festgestellt, dass 70 Prozent der Heimkinder aus Hartz-IV-Familien kommen, also Mütter und Väter haben, die seit langer Zeit nicht mehr am Berufsleben teilgenommen haben. Als vor fünf Jahren die Neuverpachtung der Jugendfarm und der Alten Fasanerie anstand, übernahm das Elisabethstift die Farm mit dem Ziel, dort ein landwirtschaftliches und tieferpflegerisches Strukturtraining für Langzeitarbeitslose  aufzubauen. Das zunächst als Experiment gestartete Vorhaben, das sowohl von einem Sponsor als auch durch die Europäische Union unterstützt wurde, erwies sich als erfolgreich.

Viele Frauen und Männer, die dort arbeiteten, konnten auf dem regulären Arbeitsmarkt wieder Fuß fassen, schilderte mir Helmut Wegner die Situation. Der von seiner Aufgabe begeisterte Pfarrer ist sicher, dass die Berlinerinnen und Berliner zum Überleben der Tiere auf der Jugendfarm beitragen werden. Das Bezirksamt jedenfalls steht voll hinter dem Plan, wie man auf dem Foto sehen kann: Es zeigt links Helmut Wegner und rechts den für Schulen zuständigen Bezirksstadtrat Tobias Dollase. Die Ziege meckerte, mochte aber kein Blatt, und ihren Namen sagte sie auch nicht….

Wie kann es weiter gehen auf der Jugendfarm? Der bisherige Sponsor ist ausgestiegen. Das EU-Projekt, das einen wesentlichen Teil der Finanzierung trug, läuft im Juni aus. Aus beiden Quellen wurden aber die Tiere finanziert – und ohne diese Tiere funktioniert das Strukturtraining nicht mehr, verliert aber auch die Jugendfarm selbst ihren größten Anreiz. Wegner schätzt den jährlichen Finanzbedarf auf 170.000 Euro, die will er nun durch Spenden einwerben.

  • Das Spendenkonto bei der Berliner Sparkasse hat diese IBAN-Kennung: DE82100500002040003250; BIC: BELADEBEXXX; Verwendungszweck: Tiere Alte Fasanerie.
  • Wer parallel zu seiner Überweisung eine E-Mail (unter Bezug auf die Spende) schickt an altefasanerie@elisabethstift-berlin.de , erhält eine Spendenbescheinigung, die Spenden können von der Steuer abgesetzt werden.
  • Mehr Details hier: alte-fasanerie-luebars.de

Mein Ausflugstipp: Sie haben weder kleine Kindern noch Enkel, sind aber ein bisschen neugierig? Dann fahren Sie doch mal zur Quickborner Straße in Lübars, bis zur Ecke Fasanerie und folgen Sie den Schildern. Nach einem Fußweg von wenigen hundert Metern kommen Sie auf die Jugendfarm und werden nicht nur durch Pferde, Ziegen und jede Menge Federvieh überrascht, sondern stehen auch vor einem wirklich gemütlichen Café, in dem es exzellenten Kuchen gibt – wir haben es selber ausprobiert. Geöffnet ist das Café Mittwoch bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, am Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr, am Sonntag gibt es ab 9 Uhr ein Frühstücksbuffet. Und natürlich kommt man auch mit dem Fahrrad und dem Bus hin, es ist der X21. – Text: Gerd Appenzeller
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