Nachbarschaft

Veröffentlicht am 05.02.2020 von Gerd Appenzeller

Karsten Misigaiski, 53, Werkstattbetreiber aus Berlin-Reinickendorf auf Abruf.

Der kleine Schrauber aus Hermsdorf. Karsten Misigaiski ist in der Branche der Kfz-Werkstätten wohl das, was man einen „kleinen Schrauber“ nennt. Nur Auto-Laien könnten diesen Begriff als negativ werten. Tatsächlich drückt er großen Respekt aus vor einem gelernten Kfz-Meister, der, nicht an einen Hersteller gebunden, seine eigene kleine Werkstatt betreibt und Autos repariert.

Die Werkstatt von Kraftfahrzeug-Elektrikermeister Karsten Misigaiski aus Hennigsdorf liegt in Hermsdorf auf dem Gelände der Shell-Tankstelle an der Ecke Hermsdorfer Damm und Frohnauer Straße. Noch. Denn Misigaiski hat die Kündigung bekommen für seinen Betrieb, den er dort seit dem 4. Oktober 2011 zur Zufriedenheit vieler Kunden führt.

Ende Februar 2020 muss er geräumt haben. Er wäre gerne geblieben, hat auch noch vor wenigen Monaten investiert, um sich weiter „Prüfstützpunkt der Dekra“ nennen zu können. Aber Shell, so hat er gehört, findet es wohl nicht mehr so angemessen, Reparaturwerkstätten auf dem Gelände seiner Tankstellen zu haben. Klar, die Autobesitzerinnen und -besitzer, die mit ihren Wagen zu ihm kommen, fahren nicht immer die neuesten Modelle. Sie sind glücklich, wenn sie dank des Geschickes und der Tüfteleien von Karsten Misigaiski ihren fahrbaren Untersatz möglichst lange nutzen können. Betriebswirtschaftlich betrachtet, im Blick auf ihr eigenes Haushaltsbudget, ist es sehr vernünftig, was die Kunden dieser Werkstatt tun. Sie halten ihr Geld zusammen. Der Volkswirt, mit dem Blick aufs große Ganze, denkt hingegen: Die sollten lieber neue Autos kaufen und die Konjunktur ankurbeln.

Shell möchte vermutlich an Stelle der Werkstatt einen Pflegedienst haben. Bei anderen Shell-Tankstellen in der Gegend macht das „Glanz von Hand“, eine nach eigenen Angaben „professionelle Fahrzeugaufbereitung“. Das ist dann wirklich eine Rundumpflege, nach der das Fahrzeug wie neu aussehen könnte. Das kostet aber. Zwischen 59,95 Euro und 299 Euro, je nachdem, was man haben möchte.

Karsten Misigaiski bleibt lieber bei seinen Leisten, wie der berühmte Schuster aus dem Sprichwort. Und vielleicht klappt es ja, mit einer anderen Werkstatt, hier im Norden. Als ich am Dienstag mit ihm darüber sprach, war er ganz guter Dinge.

Und natürlich habe ich bei Shell in Hamburg nachgefragt, was man sich da künftig so vorstellt, an der Ecke Hermsdorfer Damm und Frohnauer Straße. Bis zum heutigen Mittag kam noch keine Antwort. Sollte sie doch noch eintreffen, trage ich sie gerne in der nächsten Woche nach – hier im Reinickendorf-Newsletter. – Foto und Text: Gerd Appenzeller

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