Nachbarschaft

Veröffentlicht am 18.03.2020 von Gerd Appenzeller

Einfach mal Danke sagen. Diese fünf Frauen und Männer stehen hier stellvertretend für 140 ständige und 50 temporäre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes in Berlin-Reinickendorf. Sie stehen ein bisschen auf Distanz zueinander, nicht, weil sie sich nicht mögen, sondern aus Vernunftgründen. Die Zeiten von Corona sind keine zum Kuscheln.

Diese Rubrik steht heute für alle jene Schwestern, Pfleger und Ärztinnen und Ärzte, die sich in Reinickendorf um die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen kümmern, und die in diesen Wochen wirklich übermenschliches leisten müssen. Normalerweise sind es 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich auf dem Gelände des früheren Humboldt-Krankenhauses in der Teichstraße um die Sorgen der kleinen und großen Menschen im Bezirk und ihre gesundheitlichen, ihre physischen und psychischen Probleme kümmern. Aber aus anderen Abteilungen des Bezirksamtes sind 50 Kolleginnen und Kollegen dazu gekommen, als Verstärkung, und gearbeitet wird in der Teichstraße sieben Tage, fast rund um die Uhr. Der Leiter des Gesundheitsamtes, Patrick Larscheid, sagte mir, er sei überaus dankbar für die „großartige Hilfe“ des Bezirksbürgermeisters und allen Verantwortlichen.

Seine große Sorge: Zu viele Menschen rufen unter den Notfallnummern 110, 112, 116117 an, um ganz banale Fragen über ihre kleinen Beschwerden zu stellen. Dabei gebe es online unter bzga.de umfassende Antworten zu allen Fragen rund um Corona. Das Kürzel steht für „Bundeszentrale für gesundheitlichen Aufklärung“. Immer wieder hinweisen muss ich in diesem Zusammenhang aber auch auf den Tagesspiegel. Unter diesem Link gibt es die laufend ergänzte Rubrik „66 Fragen und Antworten zu Corona“.

  • Wenn Sie einen Verdacht abklären wollen, sich nicht sicher sind, ob persönliche Symptome Anzeichen einer Corona-Erkrankung sein könnten, rufen Sie diese Telefonnummer der Senats-Gesundheitsverwaltung an: 9028 2828

Patrick Larscheid lobt die Ruhe der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger, die offenbar krisenerprobter seien als jüngere Menschen. Was ihn ausgesprochen ärgert: Unter den vielen „tollen niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Bezirk“ gibt es auch welche, die weder Tests auf das Virus vornehmen, noch dazu Rat suchende Patienten überhaupt in ihre Praxis lassen. Sein Kommentar dazu: „Es ist ein bisschen komisch, dass Ärzte vor Krankheit Angst haben.“

Seine eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stark damit beschäftigt, alle Schwestern, Pfleger und Ärzte der fünf Krankenhäuser des Bezirks laufend auf den Virus zu testen – denn die würden ja in der täglichen Versorgungspraxis permanent mit der Gefahr der Ansteckung konfrontiert. Außerdem würden sich die zwei Lagezentren des Gesundheitsamtes mit allen ernsten Anfragen aus den Behörden des Bezirks befassen.

Die fünf auf unserem Foto sind von links: Jakob Schumacher, er leitet den Infektionsschutz; Kirsten Woywod, sie leitet den Kinder- und Jugendgesundheitsdienst und ist verantwortlich für das Abstrichmanagement; Barbara Linge kümmert sich um die Situation der Behinderten und die Gesundheitsaufsicht; Detlef Westphal ist fast 30 Jahre im Gesundheitsamt und, so Larscheid, „so etwas wie die gute Seele“; und schließlich Patrick Larscheid selbst, der Amtsarzt und Leiter des Gesundheitsamtes.

Meine Eindrücke über das Gespräch mit Patrick Larscheid und seinen vier Kolleginnen und Kollegen haben auch in einem Tagesspiegel-Artikel ihren Niederschlag gefunden. Überschrift: „Wenn Notfall-Nummern wie der Pizza-Service genutzt werden.“ Wenn Sie den Text nachlesen wollen, hier finden Sie ihn. – Text: Gerd Appenzeller
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Dieser Text ist zuerst im Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Reinickendorf erschienen. 195.000 Haushalte haben unsere Bezirksnewsletter schon im Abo. Die gibt es Bezirk für Bezirk und in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de
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