Nachbarschaft

Veröffentlicht am 03.06.2020 von Gerd Appenzeller

Reinhard Mey, 77, Liedermacher aus Frohnau.

Reinhard Mey hat viele sympathische Seiten, aber eine der im positiven Sinne ungewöhnlichsten davon, bei einem prominenten Zeitgenossen, ist seine persönliche Zurückhaltung und seine Uneitelkeit. Jetzt hat der 77-jährige Frohnauer ein neues Album präsentiert. Es heißt „Das Haus an der Ampel“ (Odeon/Universal, 19 Euro). Er selber hat darüber gesagt, das Haus an der Ampel sei „Schauplatz vieler meiner Lieder, es erzählt die Geschichten einer langen Reise, vom Aufbruch bis zur Heimkehr“. Ein Jahr und ein Leben lang habe er an den Liedern geschrieben.

Im Moment geht es ihm so wie vielen tausend anderen Berlinern in seinem Alter: Er sollte, altersbedingt, alle Außenkontakte meiden. Was er machen würde, wenn die Corona-bedingten Auflagen aufgehoben sind? Meine Kollegin Elisabeth Binder hat ihn  gerade gefragt. Seine Antwort, sie war im Tagesspiegel nachzulesen – hier der ganze Link:

  • „Wenn die Quarantäne vorbei ist, werden wir unsere Kinder und Enkel zu einem unbeschwerten Fest bei uns zu Hause einladen. Wir werden uns umarmen und lachen und essen und trinken und das Leben feiern, dass es nur so kracht.
  • Die spontanen Besuche der Kinder bei uns oder unsere bei ihnen, die Nähe, den liebevollen Würgegriff meines Enkels und „die kleine fettige Pranke“ meiner Enkelin auf meinem Knie habe ich als Einziges sehr vermisst.“

Elisabeth Binder, meine so Berlin-erfahrene und an den Menschen interessierte Kollegin, hat sich aber auch das neue Album von Reinhard Mey angehört. Lesen Sie’s doch einfach mal, vielleicht macht es auch Ihnen Lust, in den neuen Reinhard Mey reinzuhören.

In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hat Reinhard Mey am aber auch über ein anderes Thema gesprochen, über das Thema Verlust. 2014 starb Reinhard Meys Sohn Max nach einem fünfjährigen Wachkoma mit nur 32 Jahren. Was er mit seinem Sohn machen würde, bekäme er noch einmal eine halbe Stunde Zeit mit ihm geschenkt, wurde er gefragt. Seine Antwort: „Ich glaube, ich würde ihn die ganze Zeit nur drücken“. Der Schmerz über den Verlust werde immer da bleiben, aber auch die vielen schönen Erinnerungen. „Die Gedanken an ihn, die Bilder, ….sein Lachen…und auch unser Lachen.“ Mey ist sich zudem sicher, wenn es einen Himmel geben sollte, würde Max „da oben“ sitzen und „sich ganz oft schlapp über uns“ lachen.

In seiner 50-jährigen Bühnenkarriere hat Reinhard Mey viele Lieder präsentiert, die zu Klassikern geworden sind. Eines davon wird gerade vielen Berlinerinnen und Berlinern in diesen Tagen, in denen die Geschichte des Flughafens Tegel unausweichlich spätestens in einigen Monaten zu Ende gehen wird, besonders oft in den Sinn kommen: „Über den Wolken, da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Aus dem Jahr 1974. Da wurde der Flughafen Tegel nämlich in Betrieb genommen. – Text: Gerd Appenzeller
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Meine weiteren Themen aus dem aktuellen Tagesspiegel-Newsletter für Reinickendorf – hier eine kleine Auswahl

  • Ist TXL unschließbar? Zur Nun-Doch-Nicht-Schließung des Flughafen Tegel
  • Die Markthalle in Tegel: Wie geht es voran? Jetzt spricht der Investor
  • Ein neues Album von Reinhard Mey – dem Künstler aus Frohnau
  • Vorsicht in Corona-Zeiten: Borsighallen gehen auf Nummer sicher
  •  Gesundheitsamt Reinickendorf: Wer schmeißt denn da mit Lehm?
  •  Zwei Tagesspiegel-Redakteure schrieben ein Buch – mit einem Reinickendorf-Kapitel. Und das kam dabei raus
  •  B-96-Baustelle in Waidmannlust: Wird das denn nie fertig?
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