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von Robert Klages

Veröffentlicht am 24.07.2018

Annegret Kramp-Karrenbauer kommt nicht nach Spandau. Zumindest nicht am 12. August. Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) und der Verein „Heimatkundliche Vereinigung Spandau 1954 e. V.“ hatten die Generalsekretärin der CDU Deutschlands eingeladen, an diesem Tag im Rahmen der bezirklichen Gedenkstunde zur Erinnerung an den Bau der Berliner Mauer zu sprechen. Kleebank und Karl-Heinz Bannasch, der erste Vorsitzende des Geschichtsvereins, hatten sich dazu schriftlich an das Büro der Generalsekretärin gewandt. Wie mir Bannasch mitteilte, hatte er sich vorab telefonisch in dem Büro erkundigt, ob der Termin denn noch frei sei. Zunächst hatte er wohl grünes Licht bekommen, dann aber keine konkrete Zusage erhalten – und bald eine Absage.

Ich hab mal nachgefragt: Frau Kramp-Karrenbauer ist zu dieser Zeit im Urlaub, sagte mir ihre Pressestelle. Dort wusste man auch nichts von einer Kommunikation mit Bannasch oder Kleebank. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins hatte mit dem persönlichen Referenten der Politikerin gesprochen – dieser hatte ihn immer wieder vertröstet, da der Urlaub von Frau Kramp-Karrenbauer noch nicht feststehe. „Klar, der Gedenktag fällt in die Ferienzeit“, sagte mir Bannasch wütend, telefonisch aus dem Urlaubsdomizil. „Aber es ist ja trotzdem ein feststehendes Datum, das eingeplant werden kann.“

Der ehrenamtlich geführte Geschichtsverein fühlt sich alleingelassen. Er hat im Jahr 2010 ca. 30 Prozent der Mauergedenkstätte finanziert, sagt Bannasch. In den letzten zehn Jahren habe der Verein deutlich über 100.000 Euro für „alle möglichen Projekte“ zur Verfügung gestellt, wie Ausstellungen im Rathaus Spandau, Bücher, Ankauf von Exponaten, oder eben Mit-Finanzierung der Mauergedenkstätte. „Seit Dezember 2017 sind wir als Verein heimatlos“, so Bannasch. „Weil uns der CDU-Stadtrat Gerhard Hanke anwies, die Zitadelle Spandau zu verlassen, wo wir seit Jahrzehnten unsere Geschäftsstelle hatten.“

Die Gedenkveranstaltung findet statt, auch ohne Kramp-Karrenbauer. Am 12. August um 17 Uhr, Heerstraße Ecke Bergstraße.

Abriss der Traube? Bannasch und sein Geschichtsverein kämpfen zudem auch für den Erhalt des Fachwerkhauses in der Pichelsdorfer Straße 89. Hier soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Das Gebäude, in dem sich die Kneipe „Zur Traube“ befindet, sei ein wichtiges Zeugnis der ehemaligen Festungsstadt Spandau und müsse bestehen bleiben. Am Donnerstag findet dort ein Treffen statt: Wie können die Abrisspläne gestoppt werden?

Robert Klages ist freier Mitarbeiter beim Tagesspiegel. Schreiben Sie ihm bei Anregungen, Kritik, Wünschen, Tipps bitte eine E-Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de. Ansonsten ist er auch auf FacebookTwitter und Instagram zu finden. Er schreibt jeden Montag den Lichtenberg-Newsletter (gegendert mit *, schauen Sie mal rein). Wo Sie abonnieren könnten, wissen Sie ja bereits. In den nächsten drei Wochen vertritt er hier André Görke

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