Intro

von André Görke

Veröffentlicht am 09.10.2018

Flusskrebse nähern sich der Havel. „In der Spree sind sie schon“, erzählte uns jetzt Klaus Hidde, 63, Fischer aus Tiefwerder. „Und für mich als Fischer ist es zwischen den Ausflugsdampfern im Regierungsviertel zu eng.“ Hidde ist jener Typ, der die Krebsplage im Tiergarten bekämpft – und so selbst zur Berühmtheit wurde: Sein Krebsfleisch gibt es in Gourmet-Küchen und auch bei „Fisch Frank“ in der Altstadt Spandau. „40.000 Stück wurden gefangen“, erfahren wir aus dem Büro von Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). „Viel mehr, als wir gedacht haben.“ 2019 werden die Fischereirechte neu ausgeschrieben. Jetzt ist erst mal Saisonende, Datenanalyse, die Fangzahlen gehen zurück – vermutlich wegen der Kälte. „100 Kilo habe ich im Sommer pro Woche gefangen, jetzt sind es nur noch 20 Kilo“, erzählt uns Klaus Hidde, der einst Geschäftsmann bei der Commerzbank an der Moritzstraße war (wenn er nicht gerade auf der Havel Fische fing).

Erste Krebse soll es am Kraftwerk Reuter geben. „Von dort ist es nicht weit bis zur Havel“, sagt der Fischer, der meistens ziemlich lustig, jetzt aber etwas übellaunig ist. Denn: Ein Biber hat im Tiergarten einen Damm gebaut – dadurch lagen seine Reusen am Wochenende halb im Trockenen. Drei Reusen wurden ihm gestohlen – „im Wert von 1000 Euro!“. Immerhin haben die Krebse endlich natürliche Feinde in Berlin gefunden: Krähen haben gelernt, den Panzer zu knacken, erzählt uns der Wildtierbeauftragte der Stadt, Derk Ehlert. Auch die Aale in der Havel freuen sich schon. Denn wenn sich der Krebs häutet, um zu wachsen, dafür kurz seinen Panzer verlässt, sich im Schlamm der Havel verstecken will und … Haps, Schmatz, Mahlzeit!

André Görke ist stellvertretender Berlin-Chef beim Tagesspiegel und groß geworden in Spandau. Tipps, Termine, steile Thesen: spandau@tagesspiegel.de

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