Intro

von André Görke

Veröffentlicht am 11.12.2018

Dauerärger um „Ratskeller“. Muss man sich mal vorstellen: Im Rathaus Spandau läuft aktuell eine Räumungsklage – das Ding ist quasi besetzt. Es geht um den berühmten „Ratskeller“, der anderswo die wichtigste und zentralste Gaststätte der Stadt ist. Seit dem Sommer läuft eine Klage gegen den Pächter, berichtet jetzt Stadtrat Andreas Otti, AfD, auf eine Anfrage von Lukas Schulz, SPD. „Die fristlose Kündigung wurde im Juli ausgesprochen, die Räumungsklage ist seit August anhängig.“ Der Bezirkskasse fehlen „monatlich 4400 Euro Miete“ (Otti) – das ist für so eine Immobilie nicht viel, allerdings kommen seit dem Sommer 2018 schnell mal 20.000 Euro zusammen. Der Zustand der Immobilie im Rathauskeller ist nicht bekannt, denn: „Der Ratskeller ist noch nicht beräumt, da der Pächter bislang die Rückgabe verhindert.“ Ach herrje. Das Rathaus ist nicht mehr Herr im eigenen Haus.

Aber irre war die Ratskeller-Geschichte schon immer. Was war da eigentlich früher drin? Bevor Remmidemmi-Rummtata und Ü50-Partys einzogen? Bernd, 71, aus Wilhelmstadt, erinnert sich: „Bis in die 80er war’s ein echter Ratskeller mit Kantine für uns Rathaus-Mitarbeiter. Erst machte der Ratskeller zu, später dann die Kantine – daran ging fast jeder Pächter pleite.“ Manfred, 71, aus Kladow erzählt: „Der Ratskeller war eine Domäne der CDU um Konrad Birkholz, und wir waren mit ‚Just for fun‘ in den 90ern die Stammband. Richtig flauschige Kellerkneipe war das mit antiker Holzpalisade an den Podesten – urig!“ Andere Alt-Spandauer schwärmten von den „Königsberger Klopsen“ unten im Rathauskeller.

Die ewige Pleite-Liste im Rathauskeller. 2006 dann wurde die Gaststätte von der Restaurant-Kette „Maredo“ aufgefrischt. Investition: „1 Mio Euro“ – entsprechend hochwertig ist heute noch die Technik. Doch das Steakhouse bekam die Plätze nicht voll („150 Sitzplätze innen, 60 draußen“) und zog nur vier Jahre später wieder aus. Im Sommer 2010 bewarben sich schließlich Spielhallenchefs, Gastronomen und Eventveranstalter. Und jetzt, im Frühjahr 2019, muss das nächste Kapitel beginnen. Oder zieht dort das Bezirksamt ein? Stadtrat Otti sagt: „Ein konkretes Nachnutzungskonzept existiert noch nicht.“ Nachfragen vom Spandau-Newsletter wurden von Otti so kommentiert: „Im Interesse aller beteiligten Personen ist es leider nicht möglich, die von Ihnen gestellten Fragen zu beantworten.“ Das Gerichtsverfahren läuft.

Haben Sie Fotos vom Ratskeller? Aus den 60ern, 70ern, 80ern oder heute? Wir würden gerne dieses Stück Spandau sichern und Ihnen, den Leserinnen und Lesern, in einer Fotostrecke zeigen. Ihre Bilder und Ratskeller-Anekdoten schicken Sie bitte an: spandau@tagesspiegel.de

André Görke ist stellvertretender Berlin-Chef beim Tagesspiegel und groß geworden in Spandau. Tipps, Termine, Leserbriefe: spandau@tagesspiegel.de

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