Intro

von André Görke

Veröffentlicht am 14.07.2020

Dieses Grundstück im Berliner Westen ist eine echte Legende. Über 20 Jahre verrottete die Betonruine der Post zwischen Havelufer und ICE-Bahnhof. Es gab wilde Träume mit Theater, Altstadt-Marina und 130-Meter-Turm am Fluss – hier ein Text meines Kollegen Rainer W. During aus dem Jahr 2000 (da gab’s sogar noch die D-Mark).

Die Sache dauerte zwei, drei Tage länger. Nichts wurde gebaut und nichts wurde abgerissen auf Spandaus bekanntester Baustelle. Erst 2017 machten Investoren ernst und ließen den dösenden Klotz endlich abreißen. Ihr Ziel: Die Wüste zwischen Rathaus, ICE-Bahnhof und Fluss soll für 100 Mio Euro endlich belebt werden – mit Cafés, Arztpraxen, Hotels, Wohnungen und 80-Meter-Büroturm. Hier die Simulationen im Tagesspiegel.

Eigentlich sollte es auf der Postbrache 2020 losgehen. Das war zumindest der Stand zu Jahresbeginn, hier nachzulesen im Tagesspiegel-Newsletter für Spandau. Im Sommer sollte die dicke Abwasserleitung ans Havelufer verlegt werden (die verläuft quer übers Grundstücke und ist der Tiefgarage im Weg). Doch 2020 passiert auf der Postbrache nichts mehr. Das teilte jetzt Investor Agilolf Bachner dem Tagesspiegel-Newsletter für Berlin-Spandau mit. Der Zeitplan ist überholt – allerdings ist er das schon lange: Einst war euphorisch die Rede von der Fertigstellung 2021. Zuletzt wurde das Jahr 2024 genannt.

„Wir sind zuversichtlich, den neuen Zeitplan des Bezirks auch von unserer Seite einhalten zu können“, schreibt Investor Bachner. Allerdings sei auch der neue Zeitplan eng. Der Bebauungsplan soll jetzt im Frühjahr 2021 geschafft sein. Anschließend soll die Abwasserleitung ans Ufer verlegt werden, ehe der Winter kommt. Im Frühjahr 2022 soll schließlich die Baugrube ausgehoben werden. Bauzeit: 36 Monate. Macht summa summarum 2025.

Jetzt steht erst mal ein Biergarten auf der Brache. Investor Bachner schreibt, dass das Grundstück „auf Initiative von Stadtrat Herrn Bewig bis Ende 2020 der durch Corona stark getroffenen Schausteller- und Gastronomie-Branche zur Verfügung gestellt wird“ – klingt nach Biergarten im Sommer und Weihnachtsmarkt im Winter.

„Seit vier Wochen bemühe ich mich darum, dass diese Brache genutzt werden kann“, erzählte Stadtrat Frank Bewig, CDU, dem Spandau-Newsletter. „Ich sagte mir: Lass uns Spandauer Unternehmern in der Corona-Krise helfen. Die bezirklichen Schausteller und Veranstalter können das Gelände doch gut für eine Zwischennutzung anmieten. Und jetzt freut es mich sehr, dass es mit dem Biergarten geklappt hat.“

Und im Winter könnte der Weihnachtsmarkt die Brache nutzen. Wegen der Corona-Krise gibt es Ideen, Berlins größten Weihnachtsmarkt aufzuweiten und zu entzerren, damit sich die Massen nicht dichtgedrängt durch die Gassen der Altstadt schieben müssen.

Und wer steckt hinter dem Biergarten? Den Zettel mit der Ausschank-Lizenz brachte Stadtrat Stephan Machulik, SPD, zur Eröffnungsfeier gleich mit. Wer der Gastronom ist, steht in der Newsletter-Rubrik „Kiezkamera“ – den kompletten Newsletter gibt es unter leute.tagesspiegel.de. – Text: André Görke
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Dieser Text
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