Intro

von André Görke

Veröffentlicht am 28.07.2020

Es geht um 90.000 Euro. Ab Oktober sollen Altstadt und Arcaden in Berlin-Spandau enger zusammenarbeiten. Deshalb sucht Wirtschaftsstadtrat Gerhard Hanke, CDU, eine Marketingagentur, die beide Standorte bis September 2021 miteinander verzahnt. Die Ausschreibung ist noch ganz frisch. Bislang ist das Image so: Die Altstadt ist tot, weil alle nur in die benachbarten Arcaden strömen. Das Einkaufscenter entstand im Herbst 2001 auf dem alten Güterbahnhof neben dem ICE-Bahnhof.

Aber dieses Image ist oft nur müde Folklore – und falsch. Am Wochenende waren die Gassen der Altstadt schon wieder bumsvoll. Überall wurde geshoppt, gegessen oder einfach in der Sonne gedöst. Aber logo: Da geht mehr. Ich erwischte Patrick Sellerie, Chef der Wirtschaftsförderung im Rathaus Spandau, auf dem Handy. Was soll das alles?

  • „Es ist genau der richtige Zeitpunkt für so eine Marketing-Kampagne. Wir haben als Geschäftsstraße gerade das große Glück, dass uns Karstadt erhalten bleibt. Das zeigt die Relevanz der Straße und die Relevanz der Altstadt. Das zeigt aber auch, dass wir das alles nicht als Selbstverständlichkeit sehen dürfen.
  • ‚Größte Fußgängerzone Berlins‘ – das ist schön, reicht aber allein nicht aus. Wir müssen uns weiterentwickeln, als Marke, als Ort, auch digital.
  • 10.000 Leute haben wir täglich zwischen Arcaden und Altstadt. Die Zahl ist stabil. Ein Drittel der Arcaden-Nutzer besucht die Altstadt und umgekehrt. Das ist viel. Die Arcaden sind auch nicht unser Konkurrent – und auch nicht unsere Ausrede. Ganz im Gegenteil: Die Altstadt profitiert von den Arcaden.
  • Auf dem Post-Gelände nebenan entsteht noch mehr Leben. Hotels, Ärzte, Geschäfte. Auch die werden die Altstadt-Straßen beleben. Andere Einkaufsstraßen haben weniger gute Nachrichten, das ist eine Chance für uns. Und im Westen haben wir das immer weiter wachsende Havelland.
  • „‚Karls Erdbeerhof‘ zieht nicht kurz hinter die Spandauer Stadtgrenze, weil er gerade Lust und Laune hat, sondern weil die ganze Stadtregion wirtschaftlich attraktiver ist als viele gerne behaupten. Hier entstehen viele Neubauviertel. Vielleicht können wir noch mehr Leute aus Charlottenburg locken. Fahrradtouristen wissen längst, dass sie hier ihren Stop einlegen. Und nicht zuletzt haben wir in diesem Jahr mit der Umgestaltung der Altstadt begonnen.“

In einer versteckten Holzhütte an der Havel wurden die ersten Ideen des Marketingkonzepts gezeigt. 2018 war das, ein Sommerabend mit Top-Leuten aus der Spandauer Wirtschaft. Treffpunkt: das idyllische Vereinsheim der Wasserfreunde Spandau auf der Landzunge zwischen Zitadelle und Schleuse – ich saß ganz hinten, hier meine Fotos. Zwei Jahre später wird es endlich konkret: die Umsetzung.

Sympathisch, selbstbewusst, digital. „Eine professionelle Gesamtstrategie soll den Standort Altstadt Spandau bewerben“, heißt es in der neuen 90.000-Euro-Ausschreibung. Die Besucherzahlen sollen erhöht werden. Wer in der Altstadt oder in den Arcaden shoppen wolle, könne das auch gut und gern mit Kultur und Sightseeing verbinden („Bibliothek, Musikschule, VHS, Handel“). In der Altstadt sollen sich die Protagonisten zusammentun, auch digital. „Die zentralen Ziele“, schreiben die Wirtschaftsleute, „sind die Steigerung der Bekanntheit der Altstadt und eine Profilierung als vielseitigen ‚Standort mit Flair und Potenzial‘ in Berlin. Die Altstadt solle ein sympathisches und selbstbewusstes Bild abgeben und sich von anderen Konkurrenzstandorten abgrenzen.“ – Quelle: Ausschreibung – André Görke
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