Intro
von André Görke
Veröffentlicht am 12.07.2024
wir hatten gestern Sommerfest beim Tagesspiegel. Und apropos Sommer: Auffallend viele Wassersportler sprechen mich immer wieder auf eine Ruine in Hakenfelde an – den ollen Bootssteg im Nordhafen, der seit einer Ewigkeit gesperrt ist. Sträucher wachsen dort, wo sonst Touristen anlegen.

Im Sommer sei der Ort beliebt bei Bootsleuten von Mecklenburg bis Schwielowsee, weil dieser extra lange Steg (geschätzt 200 Meter) in jedem Wassersport-Reiseführer steht. Klassischer Fall für die Wirtschafts- und Bauexperten, die ja kein Interesse an enttäuschten Berlin-Touristen und morscher Infrastruktur in der Stadt haben sollten.
2007 wurde der ganze Park mit der Promenade und dem Anker ganz vorn an der Havelspitze gebaut.

Als ein Wassersportler also im Rathaus nachfragte, ob der Steg saniert werde, wurde er vom Bezirksamt an den Senat verwiesen („Wasserwirtschaft“), der ihn weiter zur Landesschifffahrtsbehörde schickte, die wiederum – tata! – mit dem Finger zurück aufs Rathaus Spandau zeigte („Das BA Spandau ist von uns legitimiert, die Instandsetzung hier vorzunehmen und ist (…) hierzu in der Planung.“).
Behördenpingpong ist auf dem Wasser besonders beliebt – nicht nur bei Schrottschiffen, sondern auch bei Schrottstegen. Dabei soll doch einfach nur der Steg repariert werden, von welcher Behörde auch immer.
Vor Ort ist alles kaputt. Hier hat schon lange keiner mehr etwas repariert, sonst würden nicht so hohe Sträucher wachsen. Holzbohlen sind gefault oder sogar durchgebrochen. Am Zaun hängt ein „Anlegen verboten!“-Schild, darauf ein Hertha-Aufkleber.

Auf den Bauzäunen hängt noch ein zweites dreckiges Schild des Bezirksamtes um Baustadtrat Thorsten Schatz, CDU: „Die Steganlage ist aus Gründen der Verkehrssicherheit bis auf Weiteres gesperrt! Berlin-Spandau, 3. Juli 2023.“

Ein Jahr ist jetzt also rum – passiert da noch was? „Der Steg im Maselakepark musste im vergangenen Jahr bis auf Weiteres gesperrt werden, weil sie schlichtweg nicht mehr sicher waren. Die verbauten Holzbohlen und die tragenden Elemente waren verrottet und teilweise offenbar auch mutwillig beschädigt bzw. entfernt worden“, so Baustadtrat Schatz zum Tagesspiegel-Newsletter „Spandau Daily“. „Eine sichere Nutzung des Steges war nicht mehr gegeben.“
„Bereits seit Anfang 2024 liegt dem Bezirksamt eine Kostenschätzung für die Instandsetzung der rund 612 Quadratmeter großen Anlage vor“, so Schatz.
Der Haken: „Die Gesamtkosten der Maßnahme belaufen sich aber nach bisherigen Erkenntnissen auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Hierfür stehen derzeit keine Haushaltsmittel zur Verfügung. Die Ausschreibung der Reparatur kann daher leider noch nicht erfolgen. Wir hoffen, dass dies in naher Zukunft möglich sein wird. So lange wird der Steg gesperrt bleiben müssen.“ Platsch.
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