Kiezkamera

Veröffentlicht am 07.08.2018 von Robert Klages

Wir müssen mal über den Jungfernheideweg in Siemensstadt reden. Genauer gesagt um das Teilstück zwischen Heckerdamm und Saatwinkler Damm. Dieses Stück verläuft zwischen zwei Grünanlagen und zwar dem Volkspark Jungfernheide sowie dem Wilhelm-von-Siemens-Park. Direkt an diesem Abschnitt der Straße liegen ein Freibad, ein Gymnasium, ein Jugendclub sowie mehrere Kitas, Kindergärten, Ruder-Leistungszentrum und Fußballverein.

Hier gibt es vier Probleme, schreibt mir das „Netzwerk Fahrradfreundliches Spandau“.

Das erste: Falschparkende. Diese parken seit nun knapp zwei Jahren auf der Fahrbahn, auf dem Gehweg, in den Gebüschen und Grünanlagen. Dadurch behindern sie Autofahrer, Radfahrer, Menschen mit eingeschränkter Mobilität wie z.B. Menschen in Rollstühlen oder ältere Menschen mit Rollatoren. Auf dem gesamten Abschnitt gilt eingeschränktes Halteverbot. Das heißt, Parken ist komplett verboten, lediglich bis zu drei Minuten Halten um jemanden aussteigen zu lassen ist erlaubt. „Dieses Problem bekommt wie in jedem anderen Bezirk keiner der zuständigen Beamten vom Ordnungsamt oder Polizei in den Griff“, sagt Angelo Bienek vom Radnetzwerk. „Ich habe nun in einer Mail an das Bezirksamt um Hilfe gebeten in Form von Baumstämmen die dort abgelegt werden sollen um ein Befahren der Grünanlagen durch Autos zu verhindern. Gleichzeitig habe ich mich an die Grünen Spandau mit derselben Bitte gewendet. Die Antwort der Grünen steht noch aus und aus dem Bezirksamt kam eine Mail, dass es weitergeleitet wird. Nun muss man abwarten und schauen, was passiert.“

Das zweite Problem: Die Raser. Auf dem gesamten Abschnitt gilt ein Tempolimit von 30 km/h. Egal ob Roller, Motorrad, Auto oder LKW, kaum jemand hält sich daran. „Besonders im Blick auf Kindergärten, Kitas und Schule ist dies doch sehr ärgerlich“, meint Bienek. „Einen großen Anteil machen davon übrigens die Eltern-Taxis aus, die dort zu schnell fahren. Ich habe dort bereits Kontakt mit dem zuständigen Polizeiabschnitt 21 gehabt. Diese konnten mir nicht versprechen, dort jemals Geschwindigkeitsmessung durchführen zu lassen. Begründung Personalmangel.“

Das dritte Problem: Das zugelassene Höchstgewicht. Der Abschnitt ist mit einer Gewichtsbegrenzung für KFZ belegt. Diese beträgt 5,5 Tonnen. Auch daran hält sich nicht jeder. „Es fahren dort munter Sattelschlepper und andere schwere KFZ lang, Reisebusse zum Beispiel sehr häufig“, erzählt Bienek. „Diese Art von Verkehr ist wieder sehr schlecht und ein Gefahrenpotential bezogen auf die Kinder der anliegenden Einrichtungen.“

Das vierte Problem: Sperrmüll. Seit locker 10 Jahren wird hier illegal Sperrmüll abgeladen. Neben Kühlschränken, Möbeln und nicht ausgelieferten Paketen werden hier auch Bauschutt, Sondermüll wie Bitumen oder Asbest abgelagert. „Das Ordnungsamt ist auch hier hilflos wie machtlos zugleich“, schreibt uns Bienek. Und er hat einen Vorschlag, wie man dieses Problem lösen könnte: Man müsste die Straße verkehrsrechtlich zur Fahrradstraße umwidmen. Dann müsste man versenkbare Poller installieren um die Durchfahrt für Rettungskräfte sowie Müllwagen, Anlieferer zu ermöglichen. Diese Poller sollten direkt auf der Höhe des Schwimmbads aufgestellt werden und auf Höhe des Ruder-Leistungszentrum.

Somit wären die Probleme gelöst. „Denn mit der Herausnahme des KFZ-Verkehrs schafft man wieder Ruhe in dem Abschnitt, man entlastet die Natur und sorgt dafür, dass niemand mehr in Ruhe und Stille, versteckt von allem seinen Müll ausladen kann“, sagt Bienek. „Die Kinder vor der Schule und an den Kitas könnten ohne Angst mit dem Fahrrad dort hin fahren. Die Falschparker müssten sich endlich richtige Parkplätze suchen oder mit den Öffis oder Fahrrad kommen.“

Autos weg, Radverkehr frei. Ist es so einfach? Wie sind ihre Erfahrungen mit diesem Gebiet oder wie sehen Sie das? Schreiben Sie uns gerne an spandau@tagesspiegel.de

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