Kiezkamera

Veröffentlicht am 06.11.2018 von André Görke

Der Rabbiner aus der Feldstraße. Am Wochenende sind wir durch den Kiez zwischen Wröhmännerpark und Flankenschanze spaziert. In der Feldstraße steht vor der Hausnummer 11 ein Gedenkschild – es erinnert an einen Mann, der hier wohnte: Arthur Löwenstamm, letzter Rabbiner von Spandau (1917-1938). Der Anlass des Spaziergangs: Vor 80 Jahren, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten die Nationalsozialisten in Spandau die Synagoge an der Havel Ecke Spree in Brand, verwüsteten Geschäfte und verschleppten Löwenstamm ins KZ Sachsenhausen. Der Rabbiner wurde so lange misshandelt, bis er seine Gemeinde aufgab, und kam dann frei. Er floh 1939 nach England und starb 1965 in Manchester. Seit 2002 trägt eine Straße in Staaken seinen Namen. – Fotos: André Görke

Stoffbahnen erinnern an 100 ermordete Juden. Am Lindenufer wird am Sonntag, 11. November, 15 Uhr an die Morde, Misshandlungen und Verwüstungen vor 80 Jahren erinnert. Ort: am Mahnmal an der Sternbergpromenade, also Havel Ecke Spree (aktuelle Fotos hier). Einen weiteren Gedenkort gibt es um die Ecke: Im Turm von St. Nikolai hängen seit 2000 weitgehend unbemerkt vier Stoffbahnen (1 Meter breit, 3 Meter hoch) mit den Namen der 100 ermordeten Juden aus Spandau. Besichtigt werden können sie nur bei Turmführungen – und das auch erst wieder im Frühjahr 2019. „Dort oben im Turm ist es im Winter zu eisig“, erfahren wir in der Kirche. Die Turmführungen endeten im Oktober. Angefertigt wurden die Stoffbahnen übrigens einst für einen ökumenischen Gottesdienst, der 1998 an die Pogromnacht erinnert hat. Hier ein Foto: Kirchenkreis Spandau.

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